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Buffy-Bücher: Die Sammlung : Bücher / Books - Seite 5


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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Buffy-Bücher: Die Sammlung
BeitragVerfasst: 27. Jul 2009, 18:52 
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2. Buch
Halloween

Prolog


Es war kurz vor Mitternacht. Im schwachen Licht des Mondes warfen die Gedenksteine auf den Gräbern des Friedhofs von Sunnydale unheimliche Schatten auf die dunklen Grabhügel, unter denen die Toten der Stadt beerdigt waren. Wie lange sie dort noch ruhen würden, war eine knifflige Frage, denn Sunnydale hatte
noch einen anderen Namen: Die frühen spanischen Siedler hatten es „Boca del Infierno" genannt, und Buffy Summers konnte diesen Namen trotz fehlender Spanischkenntnisse übersetzen – sie lebte im Mund der Hölle.
Der Friedhof zeigte das wahre Gesicht der Stadt. Weinende Engel aus Stein wurden zu lachenden Teufeln, im Gebet gefaltete Hände wirkten wie reißende Klauen. Kreuze hingen kopfüber. Irgendwie langweilig.
Buffy, die Vampirjägerin, stand vor der Mauer, die den Totenacker umgrenzte, und beobachtete die düstere Umgebung.
Sie richtete ihr Augenmerk darauf, ob sich in einem der Gräber etwas regte. Dabei stützte sie die Ellbogen auf den Rand der Mauer und stieß einen tiefen Seufzer aus. Die Nacht zum einunddreißigsten Oktober war fast vorüber. Seit Stunden hielt sie nun Wache, aber sie hatte noch keinen Vampir, keinen Dämon,
keine Hexe oder sonst irgend etwas gesehen.
Nun ja, eine Hexe schon. In der Turnhalle. Aber Cordelia zählte nicht. Ihre Bosheit stammte nicht aus einer übernatürlichen Quelle – sie gefiel sich bloß in der Rolle einer Besenreiterin. Und Buffy konnte das gut verstehen. Die arme Cordelia litt unter dem Fluch ihrer Beliebtheit und ihrer tollen Klamotten – sie war eben eine richtige Tussi. Also mußte sie ihren Frust an all denen auslassen, die es nicht so gut getroffen hatten wie sie.
Buffy verdrängte den Gedanken an Cordelia und wandte sich ihren eigenen Problemen zu. Gemeinsam mit Giles, dem Wächter, hatte sie die Zeit um Halloween als eine Art Abschlußprüfung für ihr Vampirjägerdiplom erwartet. Den ganzen Oktober hatte sie hart trainiert, sich in Form gebracht und ein paar dicke, kräftige
Holzpfähle angespitzt. Sie war zum Kampf bereit. Doch nun stand sie tatenlos vor dem Friedhof, und die einzigen Monster, die sie zu bekämpfen hatte, waren ihre Gähnkrämpfe. Buffy war nicht sonderlich begeistert. Seit drei Wochen hatte es keine einzige nennenswerte Auseinandersetzung mit Vampiren mehr gegeben. Nix und nada. Sie war so unausgefüllt, daß sie sogar ein paar Tage damit verbracht hatte, für die Schule zu lernen. Aber auch das war ihr schnell langweilig geworden. Immer noch keine Vampire in Sicht. War das nicht ein Grund, mal ein freundlicheres Gesicht aufzusetzen? Seit sie herausgefunden hatte, daß sie die Auserwählte war, wollte sie immer nur ein ganz normales Mädchen sein. Vielleicht sogar ein Cheerleader. Sie wollte einen netten Freund haben, mit ihren Bekannten rumhängen und mit so wenig Lernaufwand wie möglich ihren Abschluß an der High School hinter sich bringen.
Statt dessen war sie in ihrer Freizeit damit beschäftigt, Vampire zu pfählen, Ungeheuer zu beseitigen und dafür zu sorgen, daß ihre Freunde lang genug am Leben blieben, um ihren Abschluß an der High School zu machen. Das war doch wirklich ein super Leben: hübsches, intelligentes Mädchen läuft an seiner wirklichen
Bestimmung vorbei. Aber versuchte sie denn überhaupt, wie die anderen zu sein? Nein, sie geisterte nur in der Gegend herum und suchte nach Untoten, die sie beseitigen konnte. Zu viel Selbstmitleid?
Nicht nur, daß ich hier die Nachtschicht schieben muß, dachte Buffy, es ist zudem auch noch absolute Zeitverschwendung, eine Vampirjägerin zu sein, wenn es nichts zu jagen gibt!
„Hey, ihr toten Typen!" rief sie halbherzig. Dann zuckte sie die Achseln. Zur Hölle damit. Ihre Mutter würde sagen, sie solle einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schauen. Das war geradezu symbolisch, denn Zähne spielten in Buffys Leben eine große Rolle: Wenn jemand besonders lange und spitze hatte, brachte sie ihn um.
Aber nicht heute nacht. Sie war ein Soldat ohne Krieg. Alle hatten sich feingemacht und waren losgezogen, um sich zu amüsieren. Nur sie stand hier herum und vergammelte. Ich finde, ich habe diese Friedhofswache nun lange genug durchgehalten, dachte Buffy. Ich sollte Willow anrufen und mir mit ihr zusammen die Halloween-Candys reinziehen, die Mom gekauft hat. Oder wir machen es uns vor der Glotze gemütlich und gucken einen richtig blutrünstigen Horrorschinken ... so wie früher mit Mom, bevor ich die Turnhalle in der alten Schule niederbrennen mußte, um eine Horde Vampire zu killen ...
Danach waren sie nach Sunnydale umgezogen. Vom Regen in die Traufe, in den Höllenschlund.
Aus der Mitte des Friedhofs drang ein markerschütternder Schrei in die Nacht. Buffy setzte mit einem Sprung über die Friedhofsmauer. Während sie in die Richtung rannte, aus der der Schrei gekommen war, suchte sie das Gelände rechts und links mit den Augen ab, wich zerborstenen Grabsteinen, vertrockneten
Büschen und Baumwurzeln aus. Für alle Fälle riß sie ihren Rucksack auf und zog einen Pflock heraus. Scouts und Vampirjäger sollten immer auf alles vorbereitet sein. Wieder ein Schrei, doch diesmal war er noch lauter und verzweifelter.
Sie rannte schneller und fragte sich, was sie dort, in der Mitte des Friedhofs, erwartete. Ein Vampir? Zwei? Eine ganze Horde? Oder etwas, das ihr noch nie begegnet war – ein Halloweenspuk aus der Hölle? Für den Bruchteil einer Sekunde wünschte sie, woanders zu sein, doch dann schob sie den Gedanken beiseite. Sie hatte sich doch Action gewünscht. Nun war sie da. Immerhin war sie die Auserwählte.
Wieder ein Schrei – oder eher ein Kreischen. Nun erkannte Buffy, daß es ein Mädchen war, das da so verzweifelt schrie.
„O Gott, hör doch auf!"
Voller Angst, sie könnte zu spät kommen, bog Buffy um den nächsten Grabstein.
Ein blondes Mädchen lag schreiend und um sich tretend auf der großen Marmorplatte eines Grabes, während eine dunkle Gestalt seine Handgelenke umklammert hielt. Die Gestalt lachte und senkte den Kopf, als suchte sie nach dem Hals des Mädchens, das daraufhin noch schriller schrie.
Buffy stieß sich von dem Grabstein vor ihr ab und machte einen Hechtsprung. Sie riß die dunkle Gestalt von dem Mädchen herunter und landete unsanft neben ihm auf dem Boden. Mit einem Ruck warf Buffy ihren Gegner auf den Rücken und umklammerte den Pflock mit beiden Händen. Sie zielte und ...
„Nicht!" schrie das Mädchen auf dem Grab voller Entsetzen.
„Laß ihn los!"
Buffy blickte auf das Gesicht des Angreifers, das in der Dunkelheit schwer zu erkennen war: Es war John Bartlett, ein Klassenkamerad vom Trigonometriekurs. Und das „Opfer" war Aphrodesia Kingsbury – seine Freundin.
„Was ist denn mit dir los, Buffy?" brüllte Aphrodesia, während John unter Buffy hervorkrabbelte. „Bist du völlig bescheuert? Reif für die Klapse, oder was?"
Buffy kroch ein Stück rückwärts, legte so ruhig sie es vermochte den Pflock in den Rucksack zurück und räusperte sich.
„Sorry", murmelte sie. „Ich, äh, dachte, du wärst jemand anders."
Sie stand auf. Die beiden starrten sie nur an. Buffy versuchte zu lächeln, doch sie brachte nur ein verlegenes Grinsen zustande.
„Sorry", sagte sie wieder. „Äh, und Happy Halloween." Sie drehte sich um und straffte die Schultern. Mit aller Würde, die sie aufbringen konnte, marschierte sie den Weg zurück, den sie gekommen war.
„Völlig durchgeknallt", sagte Aphrodesia und machte sich nicht einmal die Mühe zu flüstern.
„Ziemlich durchgeknallt", gab John zu. „Trotzdem 'ne heiße Braut."
„John!" quengelte Aphrodesia.
Buffy hörte ihr Gezänk noch bis zur Friedhofsmauer. Es war dieses typische zärtliche Geplänkel zwischen Verliebten, die jemanden haben, mit dem sie es tun können. Buffy hingegen, die Auserwählte, die Jägerin, die komplett Bescheuerte, trabte allein nach Hause, um jeden Becher gefrorenen Joghurt aufzuessen, den
sie im Kühlschrank finden konnte.
Morgen war auch noch ein Tag. Und eine Nacht.
Halloween!
Und an Halloween würde etwas geschehen, bei dem die Jägerin
gebraucht wurde.

_________________
I love you.I will always love you.But this is the work that I have to do.
Tell Him I figured it out.And, and I'm okay!And give my love to my friends.
You have to take care of them now.You have to take care of each other.
You have to be strong.The hardest thing in this world ... is to live in it.
Be brave.Live.
For me.


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 Betreff des Beitrags: Re: Buffy-Bücher: Die Sammlung
BeitragVerfasst: 9. Aug 2009, 15:12 
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1. Kapitel

Buffy hatte nicht gut geschlafen, und als sie die Augen aufschlug, erblickte sie einen wolkenverhangenen Himmel.
Die Luft war drückend schwer. Der Regen würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Kurz gesagt, es war einer dieser Tage, an dem man die Decke am liebsten wieder über den Kopf ziehen und im Bett bleiben möchte. Wie ein Vampir. Ein verdorbener Tag für alle Teenager ohne Angst vor Hautkrebs, weil sie nichts für ihre Bräune tun können.
Im Grunde, dachte Buffy, während sie aufstand und sich für die Schule fertig machte, wäre es besser, wenn Sonnenbräune nicht – ebenso wie das Rauchen – aus der Mode gekommen wäre: Dann wäre es viel einfacher, die Untoten von den Gehirntoten zu unterscheiden.
Auf dem Weg zur Schule stellte sie fest, daß sie heute mal wieder ein wenig früh dran war, wie immer. Na ja, fast immer. In der alten Schule hatte Pünktlichkeit nicht zu ihren hervorstechenden Eigenschaften gezählt, aber Buffy versuchte gewissenhaft, an diesem Fehler zu arbeiten. Und wenn sie früher kam, konnte sie ein bißchen mit Willow und Xander quatschen, bevor der anstrengende Unterricht begann und den Tag ganz zunichte machte.
„Happy Halloween!" rief Xander, als er sie von hinten einholte. Buffy mußte ein wenig grinsen, als er schließlich neben ihr ging.
„Xander, ist Halloween nicht so 'ne Art Promi-Nacht für Geister? Die Nacht, in der auf der ganzen Welt die Mächte der Dunkelheit ihre alljährlich wiederkehrende Party feiern?"
„Na ja, schon, aber das sind doch alles bloß Kostüme und Partys und Scherzspielchen und ...", begann Xander, aber Buffy schnitt ihm das Wort ab.
„Und wo leben wir hier?" beharrte sie.
„Okay, ich hab dich ja verstanden", gab Xander zu. „Aber in letzter Zeit war alles so ruhig, daß ich dachte, ich könnte mal wieder etwas feiern, wie ich das immer gemacht habe, bevor ich wußte, daß dieser ganze Kram Wirklichkeit ist."
Buffy gab es auf. „Happy Halloween, Xander", wünschte sie ihm und zuckte im gleichen Moment innerlich zusammen. Der letzte Mensch, zu dem sie diese zwei Worte gesagt hatte, hatte sie eine bescheuerte Irre genannt.
Xander Harris dankte ihr mit einem charmanten, schiefen Grinsen und schob sich das Haar, das wie immer nach einer Bürste schrie, aus der Stirn. Es schien, als wollte er noch etwas sagen, doch sie waren mittlerweile an der Bank angelangt, wo sie sich jeden Morgen trafen. Und Willow saß auch bereits da und steckte
ihre Nase, während sie auf ihre Freunde wartete, in ein riesiges altes Buch mit staubigem Einband, in dem es – nach dem Titel zu urteilen – um irgendwelche obskuren Rituale ging.
Xander spähte ihr über die Schulter. „Liebe Willow, du hast früher immer so gesundes Zeugs gelesen." Er ahmte verblüffend echt einen enttäuschten Vater nach. „Und jetzt bist du an die falschen Leute geraten."
Willow klappte das Buch zu. „Giles hat es mir geliehen", erklärte sie. „Echt faszinierend. Da gab es im sechzehnten Jahrhundert einen Alchimisten, der... ach, ihr wollt das ja sowieso nicht hören."
Buffy und Xander warfen sich unschuldige Blicke zu. Wer, wir? schien dieser Blick zu sagen. Wir sollten nicht begeistert zuhören?
Aber es wäre nicht nett, wenn sie Willow etwas vormachten. Sie gab beiden in verschiedenen Fächern Nachhilfe, war eine wahre Internet-Expertin und mußte von Zeit zu Zeit Giles als Dolmetscher dienen, wenn der weltfremde, englische Schulbibliothekar wieder einmal vergaß, daß er es mit Leuten zu tun hatte, die nicht ihr ganzes Leben im Dämmerlicht von Bibliotheken verbracht hatten.
„Happy Halloween, Willow", sagte Buffy herzlich.
„Happy Halloween, chica"', sagte auch Xander.
Willow Rosenberg hatte langes, glattes kastanienbraunes Haar und traurige Augen und war so hübsch – aber auch so langweilig–, wie ihr Name bereits vermuten ließ. Doch sie und Xander waren die besten Freunde, die Buffy jemals gehabt hatte. Sie wußten alles über sie, auch daß sie eine Vampirjägerin war, und hielten fest zu ihr. Tatsächlich hatten Willow und Xander manchmal für Buffy – und für die Menschen der Stadt – ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt.
Buffy war die Auserwählte – das Abschlachten von Vampiren ihre Berufung. Aber Willow und Xander gaben sich freiwillig mit dieser verrückten Sache ab. Insgeheim fand Buffy, daß ihre Freunde sehr viel mutiger waren, als sie selbst es unter anderen Umständen gewesen wäre.
„Ich weiß nicht", begann Willow, während Buffy und Xander sich neben sie auf die Bank setzten. „Halloween ist irgendwie nicht mehr so toll wie früher, als wir Kinder waren, uns verkleidet haben und unser Sprüchlein aufsagten ... aber wenn du erst einmal das zweistellige Alter erreicht hast,
ist es so ziemlich vorbei damit. Ich glaube, ich trauere meiner Kindheit nach, und dabei bin ich erst sechzehn."
„Geht mir auch so", meinte Buffy.
„Weißt du noch, wie wir auf diesen echt irren Partys, die deine Mom zu Halloween veranstaltet hat, immer nach Äpfeln getaucht sind?" sagte Xander zu Willow, und sie lächelte ihn an. Die beiden kannten sich ihr ganzes Leben lang, und Buffy war erst in diesem Jahr auf ihre Schule gekommen. Aber sie gaben ihr nie das Gefühl, ein Außenseiter zu sein, auch wenn sie sich über gemeinsame Erinnerungen aus ihrer Kindheit unterhielten.
„Ich weiß auch noch, daß du mich untertauchen wolltest, während ich nach den Äpfeln fischte", gab Willow zurück und wandte sich an Buffy. „Es ist schon irre, was für eine selektive Erinnerung diese Typen haben."
„Tja, du weißt ja, daß Typen Mädchen immer nur dann ärgern, wenn sie ihre Aufmerksamkeit wollen", antwortete Buffy und zog eine Augenbraue hoch.
„Hat ja auch funktioniert. Ich bin auf ihn aufmerksam geworden, als ich so ungefähr fünf war", sagte Willow mit gedämpfter Stimme. „Jetzt warte ich nur noch darauf, daß er es auch mal merkt."
„Ich fand diese Partys riesig", fuhr Xander fort, der offenbar Willows Bemerkung nicht gehört hatte. „Ich hab immer beim Kürbisse zerschlitzen gewonnen. Einfach genial!" Er seufzte. „Du hast recht. Halloween ist nicht mehr das, was es mal war. Sogar die Gruselfilme im Kabelfernsehen sind nicht mehr so lustig,
seit..." Er hielt inne. „Ähm, seit..."
„Ich weiß", sagte Buffy und seufzte gleichfalls. „Seit ich in eure Stadt gekommen bin. Mir geht's genauso. Meine Mutter und ich haben uns immer die ganzen Gruselklassiker angeguckt und dabei Popcorn und die Bonbons gemampft, die von Halloween übrig waren. Aber irgendwie habe ich jetzt keine Lust mehr auf diese
Filme. Bald können wir uns selber mampfen." Sie spürte einen Regentropfen auf dem Arm und wollte es gerade Willow sagen,
als diese ihr einen Klaps aufs Bein gab.
„Die böse Hexe und ihre geflügelten Affen", murmelte sie.
Buffy blickte auf und sah Cordelia und ihren Fanclub vorüberziehen. Cordelia schenkte ihnen keine Beachtung, aber Aphrodesia Kingsbury, die einen Teil des Gefolges bildete, erblickte Buffy, und Buffy schlug die Augen nieder.
„Also, wenn das nicht meine Verfolgerin ist", höhnte Aphrodesia. „Ich hab's allen erzählt, Buffy, also brauchst du deine zweideutigen nächtlichen Aktivitäten überhaupt nicht zu leugnen."
Sie funkelte die Jägerin wütend an. „Hast du vielleicht einfach vergessen, deine speziellen Pillen zu nehmen?"
Bevor Buffy antworten konnte, schaltete sich Xander ein. „Sie ist die Jägerin", schnappte er ärgerlich. „Vergiß das bloß nicht, Miss fünfundzwanzig Watt!"
„Xander!" zischte Buffy, und Willow versetzte ihm einen Rippenstoß.
„Ach, Verzeihung", zischte Aphrodesia. „Du willst mir wohl Angst einjagen?" Ihr Kopf fuhr wie ein Geschoß auf Xander zu.
„Der Verlobte meiner Schwester studiert Jura, weißt du, und er hat mir gesagt, er würde es jedem besorgen, wenn ich ihn nur darum bitte."
„Ach, weißt du, ich hätte es ja nur zu gern, wenn es mir mal jemand besorgt. Mein eigener Diener will einfach nicht kommen...", witzelte Xander. „Es ist wirklich schwer, da jemanden zu finden, kannst du ihm das ausrichten?"
„Ach, ihr Typen seid so ... dermaßen daneben"', sagte Aphrodesia und zog die Nase kraus, als hätte sie etwas Widerliches gerochen. „Ihr beide ..." Sie nickte Willow und Xander zu. „Es ist genau, wie Cordelia sagt. Ihr seid wirklich die absoluten Verlierer. Mit 'n bißchen Anstrengung und viel gutem Willen könntet ihr ja vielleicht noch zu menschenähnlichen Wesen werden. Aber nicht, solange ihr mit Buffy rumhängt – ihre Verdrehtheit ist wie 'n hirnfressender Virus, und der hat euch echt alle Chancen auf 'n normales Sozialleben verdorben." Inzwischen waren Cordelia und ihre Anhänger weitergegangen,
und Aphrodesia beeilte sich, sie einzuholen.
„Wißt ihr, ich hab ,Heathers' gesehen", verkündete Buffy betont laut. „Ich weiß einfach nicht, warum Christian Slater nie da ist, wenn man ihn braucht." Sie schwiegen, bis die anderen außer Hörweite waren. Dann wandte sich Willow mit fragend erhobenen Augenbrauen an Xander.
„Was ist?" fragte Xander.
„Miss fünfundzwanzig Watt?"
„Na ja, Aphrodesia ist nicht besonders intelligent", erklärte Xander. „Fünfundzwanzig Watt... hast du's kapiert?"
„Kapiert", erwiderten Buffy und Willow gleichzeitig.
„Wer schreibt dir bloß die Skripts?" wunderte sich Buffy, und die beiden Mädchen brachen in Lachen aus.
„Also, ich fand's schon witzig." Xander war eingeschnappt.
„Wir machen doch bloß Spaß, Xander", tröstete Willow ihn. „Du weißt doch, daß wir dich über alles lieben."
„Das ist auch gut so, oder ihr beide wärt dran – wie die in einem gewissen Film", antwortete er drohend.
„Guck mal, wie wir zittern." Buffy gähnte mit möglichst weit aufgerissenem Mund.
„Ich hab nun mal diese Wirkung auf Frauen", verkündete Xander.
„Hört mal", wechselte Willow das Thema, „kommt ihr nun heute abend ins Bronze?"
„Zum Maskenball? Klar! Den will ich auf keinen Fall verpassen!" meinte Xander aufgeregt. „Ich gehe als Indiana Jones."
„Ach, das überrascht mich gar nicht", meinte Willow. „Diesen blöden Hut hast du doch jedes Halloween aufgesetzt, seit du neun Jahre alt warst."
Xander sah sie entgeistert an, und Buffy unterdrückte ein Lachen, um ihn nicht noch mehr in Verlegenheit zu bringen.
„Wenn das Abenteuer einen Namen hat, dann lautet der Xander Harris, mein Schatz", verkündete er voller Stolz. „Also, eigentlich Harrison Ford, aber die Frauen verwechseln uns sowieso ständig."
Sie starrten ihn nur an.
„Okay, es ist nur ein paarmal passiert... genauer gesagt einmal... also ehrlich gesagt, keinmal, aber wir haben fast die gleiche Haarfarbe", erklärte Xander. „Und meine Mom findet, ich seh' aus wie er. Ich schätze, ihr beiden wißt ein besseres Kostüm für mich?"
„Ich hab 'ne Idee, aber die sag ich dir erst später", meinte Willow geheimnisvoll. „Soll eine Überraschung für Buffy sein."
„Für mich? Ich bin heute abend ganz bestimmt nicht auf der Piste!" protestierte Buffy. „Heute läuft das große Spiel um den Vampirjägercup."
Willow und Xander starrten sie stirnrunzelnd an. Diesmal gab es keine schnippischen Kommentare. Buffy war fast schon beleidigt, aber dann merkte sie, daß das Schweigen ihrer Freunde Kommentar genug war: Beide wußten, daß sie sich die letzten Wochen fast zu Tode gelangweilt hatte.
„Okay, es tut mir ja unendlich leid, daß ich streike und den Maskenball verpasse, und ich weiß, daß ihr beiden Vergnügungssüchtigen meint, ich verschwende nur meine Zeit, aber heute ist Halloween", erklärte Buffy. „Und die Geschäfte sind in letzter Zeit etwas schleppend gegangen ..."
„Ziemlich schleppend", korrigierte Willow.
„Ziemlich schleppend", stimmte Buffy zu. „Aber heute nacht wird sich das ändern."
„Du hörst dich an, als wärst du regelrecht scharf darauf", meinte Xander. „Ich weiß ja, daß so ein Maskenball im Vergleich zu dem, was dir in L. A. geboten wurde, der reinste Witz ist. Aber eins kannst du uns glauben – hier, in Sunnydale, ist er der größte Spaß, den du erleben kannst."
„Komm schon, Buffy", bat Willow. „Du kannst ja wenigstens erst einmal ins Bronze kommen. Wenn später ein grausiger Notfall eintritt,
kannst du immer noch mitmischen."
Buffy dachte nach. Wenn sie nicht bald damit anfing, ein wenig mehr Zeit mit ihren Freunden zu verbringen, nahmen die sich eine andere Vampirjägerin als Kumpel. Oder auch nicht, denn eine andere Jägerin gab es nicht. „In jeder Generation nur eine", lautete Giles' Lieblingsstelle im Großen Buch des Vampirschlachtens. Und der Gedanke an eine ruhige Nacht im Bronze hatte durchaus seinen Reiz.
„Ich werde mit Giles reden", schloß Buffy. „Er meint immer noch, das wäre jetzt nur die Ruhe vor dem Sturm."
„Sag ihm, wir kümmern uns schon um dich", schlug Xander vor.
„Genau", stimmte Willow zu. „Ich trage die Flasche mit Weihwasser, und Xander tankt das Bat-Mobil auf."
Sobald die Glocke geläutet hatte und damit verkündete, daß der Schultag zu Ende war und die Freiheit begann, sprang Buffy auf und kämpfte sich durch die Menge. Im Korridor klapperten Spindtüren, Schüler quatschten durcheinander, Mädchen kreischten und Typen grölten. Buffy hörte nur mit halbem Ohr zu;
es ging hauptsächlich darum, was die Leute auf dem Maskenball tragen wollten. Es roch förmlich nach dummen Streichen, und man spürte, daß jeder jeden Augenblick in großes Gekicher ausbrechen konnte. Halloween war wirklich Kleinkinderkram.
Doch so war es immer schon gewesen. Giles war zwar der Geschichtsexperte, aber auch Buffy wußte, daß Halloween irgend etwas mit einem sehr alten Totenritual zu tun hatte. Vielleicht sollte sie Giles einfach mal danach fragen. Aber wenn sie es so recht bedachte, würde es vermutlich gar nicht nötig sein, ihn zu
fragen: Man mußte Giles selten um Belehrungen bitten – er lieferte sie ohnehin.
Allmählich leerte sich der Korridor. Buffy schloß ihren Spind gar nicht erst auf, denn sie hatte alles, was sie brauchte, in ihrem Rucksack.
Auf ihrem Weg zur Bibliothek kam Buffy an der Tür des Labors vorbei. Plötzlich schossen verfilzte Fellpranken mit gelben Krallen aus dem Raum hervor und packten sie an den Schultern. Aus dem Augenwinkel sah sie den aufgerissenen Rachen eines Werwolfs und handelte sofort. Der harte Ellbogenstoß in die Rippen löste ein Stöhnen aus. Doch dann erscholl ein Gebrüll, und als Buffy aufblickte, sah sie einen zweiten Werwolf näherkommen. Sie schickte ihn mit einem Handkantenschlag zu Boden und setzte zu einem Hechtsprung an, während ihr Hirn verzweifelt versuchte, ihr eine Botschaft zu schicken: Hör auf. Weißt du nicht mehr, was auf dem Friedhof passiert ist, Buffy?
Buffy machte mitten im Sprung eine ungeschickte Bewegung und landete unsanft auf dem Hintern. Sie sah sich die beiden „Werwölfe" genauer an und begriff nun, daß es bloß zwei sehr große Typen in Kostümen waren.
„Das war absolut super!" gratulierte ihr ein kleiner unscheinbarer Typ mit Brille und Bücherstapel. „Diese Typen haben mit ihrer Angstmachertaktik geradezu die Widerwärtigkeit neu definiert."
„Ähm, sorry", murmelte Buffy dem Nächstsitzenden zu, der sich noch verzweifelt darum bemühte, wieder auf die Beine zu kommen. Der andere gebrauchte alle Schimpfworte, die bei Kaffeekränzchen und Seifenopern immer noch verboten waren.
„Eure Verkleidung ist, äh, echt stark. Ich glaub', ich bin einfach etwas zu nervös."
Buffy blickte gerade noch rechtzeitig auf, um zu sehen, wie sich die gaffende Gruppe der Zuschauer für die Königin – Cordelia – und ihr Gefolge teilte. Als Cordelia ihren Angriff startete, zuckte Buffy zusammen und verdrehte entnervt die Augen.
„Nervös?" wiederholte Cordelia. „Wohl eher völlig irre. Hört mal, Leute, merkt euch dieses spezielle Signal von Buffy Summers Körpersprache. Versucht nicht, in ihre Privatsphäre einzudringen, sonst geht sie auf euch los wie 'n Sondereinsatzkommando. Oder hast du vielleicht geglaubt, das wären echte Werwölfe, Summers?"
„Man weiß ja nie, welches blöde Monster an Halloween seinen Kopf aus der Hölle streckt, Cordelia. Zum Beispiel du, wenn du hier so plötzlich auftauchst!" gab Buffy zurück, dann machte sie kehrt und schlich in Richtung Bibliothek davon. Sie konnte förmlich hören, wie Cordelia Chase immer mehr in Rage geriet.
„Bye bye, Buffy, du wandelnde ,Akte X'!" rief Cordelia hinter ihr her. Daraufhin brachen die anderen, die es nicht gewagt hatten, sich ebenfalls über Buffy lustig zu machen, solange sie noch in ihrer Nähe war, in Gelächter aus.
Wenn sie sich zugehörig gefühlt hätte, wäre Buffy vielleicht sogar beleidigt gewesen. Aber sie war so unendlich erhaben darüber. Sie war die Jägerin – die üblichen Teenagerängste reichten einfach nicht an die Furcht heran, die man empfand, wenn man das Gefühl von Fangzähnen an seinem Hals kannte.
Sicher, sie war die Jägerin, doch der Zwischenfall war trotzdem nicht spurlos an ihr vorübergegangen. Selbst eine Einkaufstour durch die Boutiquen Sunnydales hätte kein Lächeln auf ihre Züge zaubern können. Oder vielleicht doch? Sie brauchte unbedingt schwarze Stiefel – und ein paar andere Dinge.
Als sie die Tür zur Bibliothek öffnete, lächelte Buffy schon wieder und dachte an einen Kaschmirpullover. Immerhin stand der Winter bevor. Cordelias Zunge mochte zwar eine Waffe sein, aber sie war im Grunde zu dumm, als daß ihre Worte bleibende Wunden hinterlassen konnten.
Auf einem langen Tisch in der Bibliothek lag ein Stapel alter muffig riechender Bücher, die nur einem einzigen Mann gehören konnten, wie die Titel Archaisches Druidentum, Keltische Zauberei und Reich des Schattens verrieten. Doch ihr Besitzer war nirgendwo zu sehen.
„Giles?" rief Buffy.
„Hmmm?" kam eine gemurmelte Erwiderung von der kleinen Galerie der Bibliothek. „Ach so, ja, Buffy, ich bin hier oben. Ist die Schule schon aus
oder schwänzt du mal wieder?"
Sie blickte zu ihm hinauf und sah, daß Giles noch nicht einmal den Blick von den Bücherregalen gewendet hatte.
„Weder noch, Giles. Die Schule brennt!" versuchte sie seine Aufmerksamkeit zu erregen.
Keine Reaktion.
„Sie haben ja noch nicht einmal die Glocke gehört. Worin haben Sie denn wieder Ihre Nase vergraben?"
Keine Antwort.
„Giles?"
„Sorry", gab er zerstreut zurück. „Bin sofort unten."
Buffy ließ ihren Rucksack auf den Tisch gleiten. Sie plumpste in einen Sessel, lehnte sich zurück und legte ihre Füße auf die zerkratzte Tischplatte. Ein schneller Blick rundum sagte ihr, was sie ohnehin vermutet hatte: Sie und Giles waren allein in der Bibliothek. Wie sollte es auch anders sein?
Selbst bevor Rupert Giles den Stab des Britischen Museums verlassen hatte, um Schulbibliothekar an der Sunnydale High School zu werden, war die Bibliothek nicht gerade der Ort gewesen, den die VIPs der Schule frequentierten. Sie ähnelte eher einem dunklen Verlies voller Bücher, in dem es kaum genug Licht
gab, um sie auch zu lesen. Und so war es immer noch, mit dem kleinen Unterschied, daß es nun geradezu unmöglich war, Bücher zu finden, die die Schüler
für ihre Kurse brauchten. Giles hatte seine eigene Sammlung mitgebracht, die sich sehr von dem Material unterschied, das sich Eltern als Lektüre für ihren Nachwuchs wünschen. Doch der Bibliothekar hatte andere Sorgen – er war der Wächter, und seine Aufgabe war es, die Jägerin zu unterrichten und vorzubereiten, ihr alles beizubringen, was sie zum Überleben brauchte. Ein bißchen steif war er schon, aber nach Buffys Empfinden in Ordnung. Immerhin war es sein Job, sie am Leben zu erhalten. Aber davon abgesehen mochte Buffy ihn wirklich. Er war immer etwas geistesabwesend und ziemlich britisch – manchmal hatte sie
sogar Schwierigkeiten, ihn zu verstehen –, aber er war cool. Und er sah für sein Alter ziemlich gut aus. Buffy wünschte sich nur, er würde seinen Beschützerinstinkt nicht ganz so exzessiv ausleben und sie nicht immer wie ein Nestjunges behandeln. Sie hatte schon genug damit zu tun, ihre
Mutter davon zu überzeugen, daß sie in der Lage war, ihr eigenes Leben zu führen.
Die Tür zur Bibliothek wurde aufgestoßen, und Buffy fuhr erschrocken herum. Aber es waren nur Willow und Xander.
„Wir sind doch nicht etwa nervös, wie?" fragte Xander.
„Siehst du, genau das habe ich Cordelia auch gesagt." Buffy grinste.
„Wir haben davon gehört", gab Willow zu. „Immerhin gut, daß du nicht versucht hast, diese Scheinangreifer zu enthaupten."
„Es gibt immer noch ein nächstes Mal", sagte Buffy mit bedauerndem Achselzucken.
Hinter ihnen stieg Giles die Treppe hinunter, und alle drei drehten sich nun um und beobachteten ihn, wie er mit einem hohen Bücherstapel beladen auf sie zu schwankte. Buffy hielt den Atem an, bis er am Fuß der Treppe angekommen war, denn sie fürchtete jeden Augenblick, er könne fallen. Doch Giles kam ohne Unfall
bis zum Tisch.
„Aha", sagte er und blickte in die Runde. „Ihr seid also vollzählig. Sehr gut. Ich befinde mich zwar mitten in einem äußerst wichtigen Forschungsprojekt, aber ich möchte euch doch ein wenig auf Halloween vorbereiten. Buffy hat zwar das meiste davon schon einmal gehört, aber es schadet gewiß nicht, wenn sie
mir auch noch ein wenig Aufmerksamkeit schenkt."
Buffy warf ihm einen vernichtenden Blick zu, aber er fuhr unverdrossen fort. Sie wollte sich auch nicht unbedingt mit ihm streiten, denn sie hatte wirklich noch nie genau zugehört.
„Sklaventreiber", murmelte Xander. „Heute ist doch der Maskenball im Bronze. Hat Buffy Ihnen das nicht erzählt?"
„Mir erzählt? Was denn erzählt?"
„Ich hab heute dienstfrei", erklärte Buffy. „Ist so ziemlich tote Hose bei den Untoten, Boß. Und deshalb schätze ich, es kann nichts schaden, wenn man sich an Halloween den ganzen Zombies, Werwölfen, Dämonen und anderen Untoten auf der Straße anschließt und mal ein bißchen feiert."
„Erstens bin ich nicht dein Boß, Buffy", meinte Giles eingeschnappt. „Dein Mentor vielleicht, wenn du mir die Ehre erweist, mich als solchen zu bezeichnen. Aber nicht dein Boß. Du bist die Jägerin, ich bin der Wächter. Zweitens fürchte ich, daß dein Vorschlag leider unmöglich zu verwirklichen ist."
„Sie hat keinen Vorschlag gemacht", sagte Willow. „Hat jedenfalls nicht so geklungen."
„Auf keinen Fall", stimmte Xander zu. „Klang mehr wie 'ne Ankündigung: ,An alle Kunden im Supermarkt, heute keine Vampirjagd.' So hat sich das angehört."
Giles stieß einen tiefen Seufzer aus.
„Ihr müßt etwas begreifen, ihr alle", begann er. „Die derzeitige Flaute übernatürlicher Aktivitäten bedeutet nicht zwingenderweise, daß es heute nacht so ruhig bleiben wird, wie wir uns das wünschen. Und um dies zu verstehen, müßt ihr etwas über Halloween wissen."
„Jetzt fängt er wieder an." Buffy verdrehte die Augen.
„Bei den alten Kelten", sprach Giles ungerührt weiter, „begann das Jahr im Februar und endete im Oktober. Die Wintermonate, während derer das Land brachlag und unfruchtbar war, wurden nicht mitgezählt, da sie als eine öde Welt voller Schatten galt, in der die dunklen Götter, die wir Dämonen nennen, herrschten.
Während dieser toten Zeit, die man auch ,Samhuinn' nannte, waren die Tore zwischen den Welten geöffnet, und die Lebenden konnten mit den Toten verkehren. Es gab Festgelage zu Ehren der Toten, und die Bösen unter ihnen wurden mit Geschenken bestochen oder mit Hilfe von Ritualen verbannt.
Im Laufe der Jahrhunderte, als der Glaube an diese Dinge schwand, verkürzte sich diese Jahreszeit so sehr, daß sie jetzt nur noch drei Tage dauert, vom einunddreißigsten Oktober bis zum zweiten November. Aber heute ist die Nacht, in der die Druiden die Zeremonie abhielten, die den Beginn von Samhuinn anzeigte – und die Nacht, in der die Völker der Dunkelheit in die Freiheit gelassen werden. Doch ohne die notwendigen Rituale und Opfergaben kann man die Dämonen nicht unter Kontrolle halten. Als die englischen Christen die Kelten zu ihrem Glauben bekehrten, änderten sie die Namen jener Tage, und der
einunddreißigste Oktober wurde zu All Hallow's Eve, oder Halloween", schloß Giles, holte einmal tief Luft und sah sie erwartungsvoll an.
Die drei starrten zurück.
„Und worauf läuft das nun hinaus?" fragte Xander.
Giles schob seine Brille auf der Nase zurecht und blickte die Jägerin an. „Buffy?"
Buffy seufzte. „Das läuft mal wieder auf seine immer gleiche und äußerst langweilige Theorie hinaus, nämlich, daß die Toten heute nacht die Weltherrschaft übernehmen wollen."
Xander und Willow starrten Buffy an, warfen einen flüchtigen Blick zu Giles und sahen dann einander in die Augen. Endlich sagte Xander: „Willow, denkst du auch, was ich denke?"
„So ziemlich", erwiderte Willow, und dann blickte sie Buffy und Giles an, als hätten sie die Aufnahmeprüfung für den Kindergarten nicht bestanden.
„Vielleicht hab ich ja irgendwie nicht aufgepaßt", begann Willow. „Aber warum ist das dann nicht schon früher passiert?
Okay, seit Buffy hier ist, läuft manches anders, aber Sunnydale liegt ja auch über 'nem Höllenschlund, stimmt's? Wenn's bei Halloween um so viel geht, wäre dann nicht die ganze Stadt schon vor etlichen Jahren vom Erdboden gefegt worden?"
„Tja", gab Giles zu, „da hast du irgendwie recht."
„Wartet mal", schaltete sich Buffy ein. „Sie sagten doch, weil niemand mehr an die Dämonen glaubt, schwindet die Bedeutung von Halloween, stimmt's?"
„So ist es", gab Giles zu.
„Ich hab's", meinte Xander. „Also ist diese ... diese Samhuinn- Angelegenheit jetzt... out, oder?"
„Völlig out", stimmte Buffy zu. „Und das bedeutet 'ne ruhige Nacht, und das wiederum bedeutet, ich gehe zu dem Ball."
Giles räusperte sich. Seine strenge Miene machte nur allzu deutlich, daß er mit Buffys Abendprogramm in keiner Weise einverstanden war. Buffy entschied sich blitzschnell für einen kleinen Kompromiß, um wenigstens einen Teil ihrer Abendgestaltung durchzusetzen.
„Okay, ich bitte um eine Verhandlung", sagte sie. „Ich bleibe nur für eine Weile, dann geh ich raus und seh' mich um. Wenn alles ruhig ist, gehe ich zurück auf die Party. Und wenn ein paar von den Biestern vernichtet werden müssen ... na ja, ich bin schließlich die Jägerin, oder nicht? Einverstanden?"
„Habe ich denn eine Wahl?" stöhnte Giles. „Wie du selbst sagst – du bist die Jägerin."
„Genau", sagte Buffy fröhlich. „Daß ich das auch immer wieder vergesse."
„Cool", meinte Xander. „Sieh dich nur vor Farmen und Feldern vor, damit du keiner Vogelscheuche begegnest."
Buffy runzelte die Stirn. Sie betrachtete Xander, als wäre er ein Außerirdischer.
„Außerdem regnet es heute auch noch, verdammt!" Xander schlug sich vor die Stirn.
Buffys Gesichtsausdruck blieb unverändert. Er war höchstens noch etwas skeptischer geworden.
„Da siehst du's wieder! Du bist nicht von hier", stellte Xander fest.
Buffy blickte Willow an. „Welche Nummer ist das nun wieder?" fragte sie, nur leicht verärgert.
„Es ist 'ne stadtbekannte Geschichte, so eine Art Legende vom Schwarzen Mann", erklärte ihr Willow. „Es heißt, wenn es an Halloween regnet, liegt ein böser Zauber darin. Und wenn der Regen eine Vogelscheuche durchnäßt und du in ihr Umfeld gerätst, erwacht sie zum Leben und verpaßt dir 'ne Abreibung."
„Seltsam", murmelte Giles. „Von so einer Legende habe ich noch nie gehört, und doch gibt es viele Textstellen, die auf eine Verbindung zwischen Vogelscheuchen und Samhain hindeuten."
„Schon wieder dieses Samhuinn?" erkundigte sich Xander.
„Das ist nicht ganz dasselbe", erklärte Giles. „Samhuinn meint die Jahreszeit oder die Nacht, in der das Ritual abgehalten wird. Samhain dagegen ist der Geist von Halloween, der König der toten Seelen, die in jener Nacht die Welt der Lebenden heimsuchten. Offenbar war er einer der alten Dämonen, die diese Erde vor den Menschen bevölkerten, und er wurde später von den Kelten als einer ihrer Götter angenommen."
„Also in Wirklichkeit ein Stief-Dämon", witzelte Xander.
„Das ist nicht zum Lachen", entgegnete Giles und wandte sich dem Bücherstapel zu, den er von oben heruntergebracht hatte.
„Samhain ist einer der schrecklichsten Dämonen, die je auf dieser Erde wandelten. Bösartig und verschlagen. Ich muß es wirklich mal genauer nachlesen . . ." Die Worte des Wächters verklangen, während er sich wieder in seinen Büchern vergrub.
Buffy, Xander und Willow warteten ein paar Sekunden, um zu sehen, ob Giles fortfahren würde. Er tat es nicht. Die Bücher hatten nun wieder von ihm Besitz ergriffen, und die übrige Welt war darüber unsichtbar geworden.
Schließlich zuckte Buffy die Achseln.
„Also, bis später dann", sagte sie zu Willow und Xander. „Und nehmt euch vor nassen Vogelscheuchen in acht."
„Das ist kein Witz, Buffy", mahnte Xander.
„Wer macht denn hier Witze?" fragte Buffy.

_________________
I love you.I will always love you.But this is the work that I have to do.
Tell Him I figured it out.And, and I'm okay!And give my love to my friends.
You have to take care of them now.You have to take care of each other.
You have to be strong.The hardest thing in this world ... is to live in it.
Be brave.Live.
For me.


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