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Buffy-Bücher: Die Sammlung : Bücher / Books - Seite 4


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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Buffy-Bücher: Die Sammlung
BeitragVerfasst: 25. Jul 2009, 19:09 
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18. Kapitel

Wie in Zeitlupe wich Xander langsam vor Jesse zurück, während Buffy fieberhaft versuchte, einen Ausweg zu finden. Als sie für einen Moment Jesse aus den Augen ließ und wieder auf den Eingang zur Kammer blickte, sah sie bereits die Schatten der Vampire über die Wände des Tunnels gleiten. Sie kamen unablässig näher.
„Jesse“, sagte Xander in dem Versuch, zu seinem Freund durchzudringen. „Echt, das tut mir so leid…“
Jesse blickte ihn mit einem triumphierenden, spöttischen Grinsen an. „Dir braucht nichts leid zu tun. Mir geht’s super, Xander. Mir ging es nie besser! Ich fühle mich echt stark.“
Während Xander mit Jesse redete, versuchte Buffy verzweifelt, die Tür zuzuschlagen – aber das schwere Eisen war völlig verrostet, und die Angeln bewegten sich nicht einen Millimeter weit.
„Ich hab jetzt ‘n Draht“, langsam schlich Jesse auf Xander zu, „zu allem auf der Welt. Ich kann sogar die Würmer in der Erde hören.“
Xander brachte ein schwaches Nicken zustande. „Tja, das ist natürlich echt ein Gewinn.“
„Ich weiß, was der Meister will. Ich diene seinen Zielen. Und das heißt, daß du jetzt stirbst, weil ich dein Blut trinken werde.“
„Xander!“ schrie Buffy. „Das Kreuz!“
Xander zögerte keine Sekunde. Er packte es fest mit beiden Händen und hielt es Jesse vors Gesicht. Jesse blieb wie erstarrt stehen. Sein häßliches Grinsen erlosch. Mit aller Kraft warf sich Buffy gegen die Tür. Endlich gab sie ein winziges Stück nach – aber schon vernahm sie die gleichmäßigen Schritte und das gedämpfte Kichern der Vampire aus dem Durchgang. Sie waren nur noch wenige Schritte vom Eingang des Tunnels entfernt, und in den tanzenden Schatten konnte Buffy flüchtig ein paar teuflisch grinsende Gesichter erkennen. Die Vampire waren ihres Sieges gewiß. Es konnte sich nur noch um Sekunden handeln.
„Jesse!“ Xander konnte immer noch nicht einsehen, daß sein Freund verloren sein sollte. „Wir sind doch alte Kumpel. Kannst du dich denn überhaupt nicht erinnern?“
„Du bist nur noch ein Schatten für mich!“ fauchte Jesse.
Xander ging mit hocherhobenem Kreuz auf ihn zu. „Dann geh mir aus den Augen!“
Jesse war außer sich vor Zorn. Er stolperte rückwärts, als Xander ihn zwang, in Richtung des Eingangs auszuweichen. Mit einer letzten großen Anstrengung warf sich Buffy gegen die Tür. Sie sah, daß sich die Vampire im Tunnel versammelten, daß sie immer mehr wurden. Und sie kamen näher… immer näher…
Jesse holte aus und schlug Xander das Kreuz aus der Hand. Er grinste hämisch – doch nur eine Sekunde lang. Dann hatte ihn Buffy schon von hinten gepackt und schleuderte ihn aus der Kammer, wobei er die anderen Vampire wie Kegel niedermähte. Xander stand da und starrte sie nur ungläubig an.
„Hilf mir!“ schrie Buffy.
Xander löste sich aus seiner Erstarrung, und gemeinsam preßten sie ihre Rücken gegen die Tür. Endlich gab das verrostete Eisen mit einem langen Stöhnen nach. Nur noch wenige Zentimeter fehlten, bis die Tür ins Schloß fallen würde. Nur noch wenige Zentimeter trennten sie von der Sicherheit.
Doch genau diese Zentimeter waren zu viel: Der Arm schoß ohne Vorwarnung herein. Die Klauenhand tastete nach ihren Gesichtern, versuchte sie herauszuzerren.
Buffy zog die Tür einen Spaltbreit auf und schlug die stahlharte Eisenkante wieder und wieder gegen den Arm. Endlich wurde er zurückgezogen, und Buffy schob den Riegel vor. Dann wandte sie sich zu Xander um. Er war ebenso außer Atem wie sie. Das blanke Entsetzen über Jesses Veränderung stand in seinen Augen. „Ich kann es einfach nicht glauben“, stotterte er. „Wir sind zu spät gekommen.“
Ein Schlag, der mehrfach nachzubauen schien, erschütterte die Tür. Die Vampire versuchten sie aufzubrechen.
„Wir müssen hier raus“, stellte Buffy grimmig fest.
„Es gibt aber keinen Weg raus!“
Ein neuerlicher Schlag erschütterte den Türrahmen. Voller Entsetzen bemerkte Buffy, daß die Türangeln dem Druck nicht standhielten, sie waren bereits verbogen. Sie blickte sich im Raum um, ihre Gedanken rasten. Überall lag Schrott herum.
Sie ging umher, hob einzelne Teile auf und warf sie wieder weg, immer auf der Suche nach einer Möglichkeit zur Flucht.
Xander untersuchte ebenfalls jede noch so finstere Ecke des kleinen Raums. Sein Blick glitt über die Wände. Und auf einmal entdeckte er etwas hoch oben über ihnen. Es sah aus wie ein Belüftungsschacht. Wegen der Dunkelheit konnte er nur undeutlich ein Gitter erkennen.
„Was ist das?“ fragte er Buffy.
Sie blickte nun auch nach oben und stellte anschließend die Kiste, die sie gerade in der Hand gehalten hatte, auf dem Boden ab, um sie als Trittbrett zu benutzen. Sie stieg auf die umgedrehte Kiste und langte tatsächlich an das Gitter heran. Ihr Herz schlug für einen Moment schneller, als sie feststellte, daß es tatsächlich ein Belüftungsschacht war. Und er war breit genug zum Durchklettern!
Mit bloßen Händen stemmte Buffy das Gitter auf. Sie versuchte, dabei nicht auf den Lärm der Vampire hinter sich zu achten, nicht auf das Schlagen und Hämmern oder das Quietschen der herausbrechenden Türangeln zu hören… Xander behielt die Tür wachsam im Auge, als stünde er Schmiere, obwohl er ohnehin nichts gegen die Vampire ausrichten konnte. Die Tür hing nur noch in den Angeln. Der Spalt war gerade so breit, daß ein Vampir seine Finger hindurchstecken konnte, gerade so breit, daß ein Vampir mit einem kräftigen Griff…
Buffy riß das Gitter heraus und warf es auf den Boden.
„Komm!“ schrie sie.
Der Vampir schoß regelrecht aus dem Belüftungsschacht hervor. Ein verwester Arm kam geradewegs auf Buffy zu, und schuppige Finger schlossen
sich um ihren Kopf. In diesem Moment gab auch die Tür hinter ihnen ihren Widerstand auf. Das Gesicht eines Vampirs zwängte sich durch den immer breiter werdenden Spalt und grinste sie selbstgefällig an. Buffy riß den Vampir aus dem Schacht, der über sie hinweg segelte und unsanft auf dem Boden aufschlug. Sie sprang auf die Kreatur und hielt sie mit den Knien auf den Boden gedrückt, während sie den Pfahl aus ihrer Jacke hervorzog. „Hau ab!“ schrie sie Xander an.
Xander widersprach nicht. Er raste an ihr vorbei und kletterte auf die Kiste, während Buffy den Pfahl in den Rücken des Vampirs bohrte. Mit zitternden Fingern richtete Xander den Strahl der Taschenlampe in den Schacht. Dort war nichts. Der Schacht schien – zumindest im Augenblick – leer zu sein.
Mit einem letzten Blick auf Buffy kletterte Xander in den Schacht und kroch nach oben in die Freiheit. Hinter sich hörte er die Vampire in die Kammer strömen.
Im letzten Augenblick sprang Buffy in die Höhe und klammerte sich an dem Eingang zum Belüftungsschacht fest. Dann zog sie sich hinauf und folgte Xander.
Die Vampire blieben ihnen dicht auf den Fersen. Sie krabbelten auf allen vieren vorwärts und lauschten auf die Geräusche, die die Kreaturen hinter ihnen verursachten, während einer nach dem anderen seinen verfaulenden Leib in den schmalen Schacht drängte und sich ebenfalls an den Aufstieg machte.
Buffy hatte keine Ahnung, wo sie und Xander sich befanden, aber plötzlich verbreiterte sich der Tunnel zu einem viel größeren Raum, in dem eine Leiter nach oben führte. Hoch über ihnen schickte die Sonne ihre Strahlen durch ein Gitter. Xander blickte über die Schulter zu Buffy.
„Hoch?“
„Klar!“
Sie verloren keine Sekunde. Buffy hielt sich dicht hinter Xander. Als er oben angelangt war, stieß er das Gitter auf und schwang sich auf die verlassene Straße. Sofort drehte er sich um und reichte Buffy die Hand, um ihr hinauszuhelfen. Seine Hand schloß sich fest um ihre. Sie hatte es schon fast geschafft, als sie plötzlich spürte, wie sich schuppige Krallenfinger um ihren Knöchel schlossen. Der Vampir versuchte, sie ins Loch zurückzuzerren.
Xander hatte nun den Arm um ihre Taille gelegt und verstärkte seine Bemühungen, sie in das rettende Licht der Nachmittagssonne zu ziehen. Auch Buffy wehrte sich gegen den Sog an ihrem Bein, und schließlich schwang sie sich über den Erdboden. Die Finger um Buffys Knöchel lockerten ihren Griff. Kleine Rauchwolken stiegen auf, und es stank scheußlich nach verbranntem Fleisch. Mit einem qualvollen Schrei wurde die Hand in die Dunkelheit zurückgezogen.
Buffy rollte sich zur Seite, und Xander schob das Gitter wieder über den Schacht. Keiner sagte etwas, keiner bewegte sich. Sie lagen nur da, Seite an Seite, entsetzt und erschüttert, und versuchten wieder zu Atem zu kommen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Buffy-Bücher: Die Sammlung
BeitragVerfasst: 25. Jul 2009, 19:39 
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19. Kapitel

Der Meister erhob sich langsam und würdevoll von seinem Thron. Seine Miene war grimmig, und in seinen Augen lag ein gefährlicher Glanz.
Ein paar Vampire standen mit ängstlichen Gesichtern vor ihm, und er nahm sich Zeit, spielte mit ihrer Furcht, ließ seinen gnadenlosen Blick langsam über jeden einzelnen gleiten.
„Sie ist entkommen“, sprach er endlich. „Sie hat sich befreit, während ich genau in diesem Augenblick ihr Herzblut trinken sollte. Ihr wart nachlässig.“
Ein Vampir namens Colin fand schließlich den Mut zu sprechen.
„Meister, wir hatten sie schon in der Falle“, versuchte er zu erklären, doch ein Blick seines Herrn gebot ihm Schweigen.
„Willst du mir etwa eine Entschuldigung auftischen?“ zischte er. „Ihr seid alle zu schwach. Es ist zu lange her, seit ihr zuletzt einem Jäger gegenübergetreten seid.“ Er dachte einen Augenblick nach und fügte hinzu: „Aber für mich ist es gleich. Sie wird die Ernte nicht aufhalten. Es bedeutet nur, daß es jemanden
geben wird, der es wert ist, getötet zu werden, wenn ich an die Oberfläche komme.“
Er trat einen Schritt auf Colin zu und beugte sich zu seinem Gesicht herab.
„Ist Luke bereit?“ fragte der Meister. Colin nickte. „Er wartet auf Euch.“
Der Meister schien erfreut. Er nickte kaum einem der anderen Vampire zu, der mit gesenktem Kopf daneben stand.
„Es ist Zeit“, verkündete der Meister. „Bringt ihn zu mir.“
Und als wäre es ihm eben erst eingefallen, fuhr er fort: „Und du, Colin, hast deine Aufgabe nicht erfüllt.“ Seine Stimme vibrierte vor Bosheit. „Sag mir, daß es dir leid tut.“
Colin fühlte einen Stich der Furcht. „Es tut mir leid“, flüsterte er. „Na siehst du.“ Der Meister nickte. „Das war doch gar nicht so schwer. Oh, warte mal…“
Er stieß seinen Finger heftig in Colins Gesicht. Colin schnappte vor Schmerz nach Luft. Ein Augapfel war zerplatzt und lag nun als matschiger Klumpen
tief in der Augenhöhle.
Der Meister lächelte ihm zu. „Du hast da was im Auge.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Buffy-Bücher: Die Sammlung
BeitragVerfasst: 25. Jul 2009, 20:28 
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20. Kapitel

Giles brütete immer noch über seinen Aufzeichnungen. Als sich die Tür zur Bibliothek öffnete, sah er hoffnungsvoll auf.
„Buffy?“
Willow schüttelte mit schuldbewußter Miene den Kopf.
„Nein, ich bin’s nur. Sie haben also noch nichts gehört?“
Giles machte ein enttäuschtes Gesicht. „Bis jetzt noch nicht.“ Er sah müde aus, als er die Brille abnahm.
„Also, ich bin sicher, daß es ihnen gutgeht“, sagte Willow in dem Versuch, sowohl Giles als auch sich selbst zu trösten.
„Hast du irgend etwas Interessantes gefunden?“ fragte er.
Das Mädchen setzte sich und breitete die Kopien der Zeitungsartikel vor dem Bibliothekar aus, damit er sie überfliegen konnte.
„Vielleicht. Ich habe mir die alten Zeitungen vorgenommen, so um den Zeitpunkt des großen Erdbebens von siebenunddreißig.“ Willow legte den Finger auf eine der Seiten. „Und einige Monate vorher gab es eine Mordserie.“
„Sehr gut!“ Giles richtete sich auf und setzte die Brille wieder auf die Nase. „Ich meine, natürlich nicht gut, aber… Weiter!“
Gehorsam blätterte Willow in den Artikeln. „Es klingt nach dem, was Sie suchen. Die Zeitungen berichten von blutigen Kehlen. Die Mordserie hat Monate angedauert, und es gab nicht die geringste Spur.“
„Es paßt alles zusammen.“ Giles nickte. Dann warf er ihr einen besorgten Blick zu. „Und ich wünschte, es wäre nicht so.“

Die Zeit war reif. Die Ernte stand endlich bevor. Darla entzündete die letzte Kerze ihrer Reihe im hinteren Teil der Kirche.
Dann schritt sie feierlich mit einer brennenden Kerze in der Hand nach vorn, und im gleichen Augenblick zündete ein anderer Vampir die letzte Kerze in seiner Reihe an, die der von Darla gegenüberstand. Die flackernden Flammen warfen unheimliche Schatten auf die versammelte Gemeinde. Die beiden Kerzenreihen liefen über die gesamte Länge des Kirchenschiffs bis zum Altar, wo der Meister wartend stand. Wieder erfüllte Gesang die Ruine. Und doch war es kein Gesang
– eher ein leises, urtümliches Wispern, das einem das Blut in den Adern gefrieren ließ…
Luke löste sich aus den Reihen der Anhänger und legte sein Hemd ab. Er trat vor den Altar und kniete demütig vor seinem Meister nieder. Als der Meister die Hand ausstreckte, küßte Luke sie, und als der Meister die Handfläche nach oben drehte, küßte Luke auch diese.
Dann senkte er seinen Mund langsam nieder und bohrte seine Zähne tief in die Adern des Handrückens.
Der Meister zuckte zusammen. Er schloß die Augen und fühlte, wie Jahrhunderte ihn durchströmten. Während Luke saugte, warf er vor Lust und Qual den Kopf in den Nacken.
„Mein Blut wird nun mit deinem vermischt“, sagte der Meister.
„Meine Seele ist deine Heimat.“
„Mein Körper ist Euer Werkzeug“, murmelte Luke, bevor er sich demutsvoll zurückzog.
Der Meister tauchte einen Finger in das Blut auf seinem Handrücken und malte mit einem Tropfen einen dreizackigen Stern auf Lukes Stirn.
Er betrachtete seine Anhänger. Dann sprach er: „In dieser heiligsten aller Nächte sind wir eins. Luke ist das Gefäß. Jeder Körper, den er nimmt, wird mich nähren. Ihre Seelen werden mir die Kraft geben, mich zu befreien.“ Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Seine Augen verengten sich in lüsterner Vorfreude. „Heute nacht werde ich über die Erde schreiten, und die Sterne werden ihr Antlitz verhüllen.“

Buffy und Xander schleppten sich erschöpft in die Bibliothek. Giles und Willow betrachteten mit offenem Mund ihre derangierte Erscheinung, und ihnen wurde klar, daß die Suche fruchtlos gewesen war. Trotzdem konnte Willow nicht umhin zu fragen: „Habt ihr Jesse gefunden?“ Obwohl sie insgeheim die Antwort kannte.
Xander antwortete ihr mit einem knappen „Ja“, wobei er sie nicht einmal anblickte.
„Gefunden haben wir ihn“, bemerkte Buffy und ließ sich schwer auf einen Stuhl fallen. Auf ihrem Gesicht spiegelte sich Wut und Bedauern. „Es tut mir leid, Willow. Wir kamen zu spät. Sie haben schon auf uns gewartet.“ Willow schüttelte den Kopf. „Wenigstens ist euch nichts passiert.“
„Ich kann Vampire nicht ausstehn!“ brach es aus Xander hervor. Er zielte mit dem Fuß auf einen Abfalleimer und trat wütend zu. „Ich werde ‘ne Rede halten und allen sagen, was für gräßliche Typen das sind.“
Buffy wandte sich an den Wächter. „Nun, Giles, haben Sie noch etwas für uns, um uns endgültig den Tag zu verderben?“
„Wie wär’s mit dem Ende der Welt?“ erwiderte er ruhig.
„Ich wußte ja, daß ich auf Sie zählen kann.“
Unbeeindruckt fuhr Giles fort: „Vor ungefähr sechzig Jahren kam ein sehr alter, sehr mächtiger Vampir in unsere Gegend, und er war nicht nur auf Blut aus.“
Buffy setzte sich auf den Tisch. Sie stützte das Kinn in die Hände. „Er kam, weil diese Stadt irgendein mystisches Dingsbums ist?“
„Genau. Die ersten Siedler hier, die Spanier, nannten sie Boca del Infierno, was man mit ,Höllenschlund’ übersetzen könnte.“
Giles durchwanderte den Raum mit langen Schritten. „Eine Art Tor aus unserer Wirklichkeit in eine andere. Der Vampir hoffte, es öffnen zu können.“
„Um die Dämonen zurückzubringen.“
„Und das Ende der Welt herbeizuführen“, stellte Xander klar.
„Aber er hat’s vermasselt“, schaltete sich Willow ein. „Da war ein Erdbeben, das ungefähr die Hälfte der Bevölkerung das Leben kostete. Und offenbar ihn auch – zumindest gab es danach keine Morde mehr, die nach Vampiren aussahen.“
Giles sah nachdenklich aus, als er sich einen Stuhl zurechtrückte.
„Ein Tor in eine andere Dimension zu öffnen ist eine schwierige Angelegenheit. Ich wette, daß er irgendwie hängengeblieben ist – wie ein Korken in einer Flasche.“
„Und diese Ernteangelegenheit soll ihn da rausholen?“ fragte Xander.
„Das Ritual findet einmal in hundert Jahren statt. Und in unserem Jahrhundert in dieser Nacht.“ Giles stand auf und ging zu einer Tafel, wo er ein paar geheimnisvolle Diagramme aufgezeichnet hatte. Nun begleitete er seine Erklärung mit der Zeichnung weiterer Diagramme.
„Ein Meister kann Kraft aus einem seiner Gefolgsleute ziehen, während dieser an seinem Opfer saugt. Genug Kraft, um sich aus dem Bann zu lösen und das Tor zu öffnen. Dieser treue Gefolgsmann wird das Gefäß genannt, und er trägt dieses Zeichen.“ Er schwieg und zeigte auf ein Bild des dreizackigen
Sterns.
„Aha“, machte Buffy. „Dann hau ich jedem, der mit diesem Zeichen durch die Gegend läuft, eine rein, und die Ernte ist gelaufen!“
„Wenn man es so einfach sehen will“, erwiderte Giles, „ja.“
„Haben Sie irgendeinen Hinweis, wo diese nette kleine Party stattfindet?“
„Tja, es gibt da ‘ne ganze Reihe Möglichkeiten…“
Bevor Giles sie aufzählen konnte, wurde er von Xander unterbrochen. „Sie gehen ins Bronze, ist doch klar.“
Im Zimmer wurde es still. Alle starrten ihn an.
„Bist du sicher?“ Willow war blaß geworden Xander zuckte die Schultern. „Überleg doch mal!“ Für Xander lag der Fall anscheinend klar auf der Hand. Und er hatte auch Argumente: „Die vielen süßen kleinen Happen, die da rumlaufen. Außer dem ist Jesse ganz bestimmt da. Ihr könnt mir ruhig glauben.“
Giles nickte. Offenbar hatte Xanders Theorie ihn überzeugt.
„Dann müssen wir auch dorthin.“ Die Stimme des Bibliothekars klang gepreßt. „Bald geht die Sonne unter.“
Als sie gemeinsam auf den Korridor hinaustraten, ließ Buffy sie stehen und rannte in die andere Richtung davon.
„Ich muß noch was holen!“ rief sie ihnen zu. „Dauert nicht lange.“
„Was denn?“ erkundigte sich Giles.
Buffy lächelte geheimnisvoll. „Nachschub.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Buffy-Bücher: Die Sammlung
BeitragVerfasst: 25. Jul 2009, 20:39 
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21. Kapitel

Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt. Die letzten blutroten Strahlen der Sonne fielen durch Buffys Fenster, und die Sonne würde bald hinter
dem Horizont verschwunden sein.
„Buffy?“ Joyce Summers’ Stimme drang aus dem Flur in Buffys Zimmer.
Buffy hörte sie, gab aber keine Antwort. Sie wühlte weiter im Schrank herum, als ihre Mutter das Zimmer betrat.
Wenn du schon als Jägerin geboren bist, dachte sie, mußt du auch so aussehen. Da kannst du nicht in irgendwelchen alten Klamotten zur Ernte gehen…
Die braune Jacke, beschloß sie endlich. Die Lederjacke. Die muß es sein.
„Gehst du aus?“ fragte ihre Mutter, die nun hinter ihr stand. Buffy hörte die Sorge, die aus ihrer Stimme sprach. Sie sagte so beiläufig wie möglich: „Ich muß.“
Ein Schweigen entstand. Dann sagte ihre Mutter ebenso beiläufig:
„Ich hab dich gestern nacht nicht nach Hause kommen hören.“
Buffy dachte blitzschnell nach. „Ich war auch leise.“
Diesmal war das Schweigen nicht mehr freundlich. Buffy spürte die Enttäuschung ihrer Mutter. „Es ist wieder soweit, nicht wahr?“ seufzte Joyce.
Buffy hörte auf, im Schrank herumzuwühlen. Sie richtete sich auf, drehte sich um und sah ihrer Mutter ruhig in die Augen.
„Ich habe einen Anruf von deinem neuen Schulleiter erhalten“, fuhr Joyce fort. „Er meinte, du hättest heute ein paar deiner Kurse verpaßt.“
„Ich war… etwas besorgen.“ Buffy lächelte kurz und wandte sich wieder dem Schrank zu. Sie zog einen alten Koffer heraus, öffnete ihn und durchsuchte seinen Inhalt. Sie meinte, die Blicke ihrer Mutter in ihrem Rücken zu spüren.
„Wir haben noch nicht einmal zu Ende ausgepackt, und schon kriege ich Anrufe von deinem Schulleiter.“ Joyces Stimme klang sorgenvoll.
„Mom, ich verspreche dir, es wird nicht wie früher.“ In Buffys Stimme mischte sich ein Anflug von Verzweiflung. „Aber ich muß jetzt gehen.“
„Nein.“
Buffy traute ihren Ohren nicht. „Mom?“ Sie warf einen Blick in Richtung des Fensters, auf die sich rasch ausbreitende Dunkelheit. Linkisch, aber entschlossen hielt Joyce die Stellung.
„Ich habe gelesen, daß ich mich daran gewöhnen muß, dir auch mal etwas zu verbieten“, erklärte sie Buffy, als müßte sie sich verteidigen. „Es bleibt bei ,Nein’.“
„Es ist wirklich unheimlich wichtig“, sagte Buffy nun flehentlich.
„Ich weiß. Du mußt heute ausgehen, oder es ist das Ende der Welt. Mit sechzehn geht es immer gleich um Leben oder Tod.“
„Mom, ich hab jetzt keine Zeit, darüber zu reden.“
„Du hast die ganze Nacht Zeit, Buffy. Du gehst nirgendwohin. Meinetwegen kannst du hier oben bleiben und schmollen, wenn dir danach zumute ist. Ich trage es dir nicht nach.“ Joyce holte tief Luft und legte ihrer Tochter beide Hände auf die Schultern. „Aber wenn du runterkommen willst, mach ich uns was zum Abendessen.“
Sie verließ das Zimmer und schloß die Tür leise, aber nachdrücklich. Buffy starrte einen Augenblick hinter ihr her, dann schüttelte sie den Kopf und griff in ihren Koffer. Dort waren alle ihre Schätze: Fotos, Briefe, ein Tagebuch, Kindheitsandenken…
Ihre Finger glitten über den Kofferboden, dann hob sie ihn heraus. Niemand außer ihr wußte, daß der Koffer einen doppelten Boden hatte. Und niemand außer ihr hatte je das Geheimfach darunter gesehen. Und niemand außer ihr wußte etwas von den Pfählen und den Kreuzen, der Hostie, dem Knoblauch oder dem Krug mit dem Weihwasser. Rasch raffte sie alles zusammen und stopfte es in eine Tasche.
Fast ehrfürchtig zog Buffy einen besonderen todbringenden Pfahl hervor. Er lag in ihrer Hand, als sei er für sie geschaffen, als bildete er eine Verlängerung ihres Arms. Diesen Pfahl ließ sie vorsichtig in ihren Ärmel gleiten. Sie stand auf und ging zur Tür, preßte ihr Ohr gegen das Holz. Eine Weile stand sie reglos da und lauschte. Dann schlich sie auf Zehenspitzen zum Fenster, öffnete es und kletterte hinaus in die Nacht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Buffy-Bücher: Die Sammlung
BeitragVerfasst: 27. Jul 2009, 16:40 
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22. Kapitel

„Ältere Jungs sind die einzigen, die sich lohnen“, sagte Cordelia blasiert. Sie hielt wieder hof – diesmal im Bronze – und saß mit ihren Anhängerinnen, die sie bewundernd umringten, an einem Tisch auf der Galerie.
„Die sind einfach eine Klasse besser“, fuhr Cordelia fort. „Aber die Jungs aus unserer Stufe – vergiß es. Das sind doch noch Kinder. So wie Jesse. Habt ihr ihn gestern abend gesehen?“ Sie verdrehte die Augen voller Belustigung und Verachtung. „Er folgt mir überallhin. Wie ein kleiner Hund. Das weckt höchstens
Mutterinstinkte!“ Sie beugte sich vor und sah ihre Gefolgschaft überlegen an. „Ältere Jungs sind geheimnisvoll, sie haben so ein… wie heißt das noch mal? Na ja, egal. Jedenfalls haben sie Autos.“
Raine, die neben ihr saß, öffnete den Mund. Doch Cordelia unterbrach sie, bevor sie das erste Wort ausgesprochen hatte.
„Ich bin einfach nicht der Typ, der sich bindet“, erklärte sie. „Wenn ich in eine Boutique gehe, muß ich immer das Teuerste haben, und zwar nicht, weil es teuer ist, sondern weil es mehr kostet.“
Wieder versuchte Raine etwas zu sagen. Und wieder schnitt ihr Cordelia das Wort ab.
„Kann ich meinen Satz bitte wenigstens noch beenden?“ Sie warf ihr einen tödlichen Blick zu. „Oh! Mein Lieblingsstück!“
Sie sprang auf und eilte mit ihren Freundinnen im Schlepptau die Treppe hinunter zur Tanzfläche. Selbstgefällig sonnte sie sich in den bewundernden Blicken des männlichen Publikums und dem neidischen Starren der anderen Mädchen. Sie wußte, daß sie phantastisch aussah.
Das war der Moment, in dem Jesse das Bronze betrat. Nicht der Jesse, den Cordelia gekannt und verachtet hatte; dieser Jesse war ein neuer Mann.
Er stolzierte nun cool, fast angeberisch daher, und in seinen Augen lag ein unerschütterliches Selbstbewußtsein.
Er blickte geradewegs zu Cordelia. Und grinste.
Vor dem Eingang des Bronze war es relativ ruhig. Ein paar Nachzügler standen lässig an die Wand gelehnt und unterhielten sich lachend, doch sonst war die Straße menschenleer. Zuerst bemerkte niemand die acht schattenhaften Gestalten, die ohne Eile die Straße überquerten. Ihre Gesichter waren in dem trüben Schein der flackernden Straßenlaternen nicht zu erkennen, und keiner von ihnen sagte ein Wort. Nicht einmal Luke.
Jesse strich langsam durch die Menge und drehte einen Kreis um Cordelia, wobei er sie nicht aus den Augen ließ. Doch erst nach einigen Minuten erregte sein brennender intensiver Blick ihre Aufmerksamkeit. Als ihr plötzlich klar wurde, wer sie da so fixierte, starrte sie ihn nur verblüfft an.
Er hatte sich irgendwie verändert. Es war etwas, das sie nicht genau benennen konnte, aber auf jeden Fall war es auf eine seltsame Weise verführerisch.
Das Stück – ihr Lieblingsstück – war zu Ende. Cordelia hörte auf zu tanzen und eilte von der Tanzfläche.
Und unversehens war er da. Er stand direkt vor ihr und versperrte ihr den Weg. Er lächelte sanft – und wissend.
„Was willst du denn?“ fragte Cordelia drohend. Doch sie konnte niemanden täuschen; sich selbst nicht, und Jesse erst recht nicht. Wortlos nahm er ihre Hand und führte sie zurück auf die Tanzfläche.
„Hey!“ widersprach Cordelia. „Hey, du Neandertaler! Wofür hältst du dich?“
Er wandte sich zu ihr um und sah sie mit einem unwiderstehlichen Lächeln an.
„Halt den Mund“, sagte er nur.
Sie hätte nie gedacht, daß er so gut tanzen konnte. Er führte sie in die Mitte der Tanzfläche, hielt sie an der Hand und drehte sich im perfekten Einklang zum Rhythmus der Musik. Er berührte sie kaum, und doch war seine Nähe verführerisch und lustvoll.
Cordelias Herz klopfte wie wild. Sie konnte spüren, wie ihr Widerstand dahinschmolz.
„Nur diesen einen Tanz“, murmelte sie und drückte sich enger an Jesse.
Sie sahen ihn, bevor er sie entdeckte. Der muskelbepackte Rausschmeißer stand im Vollgefühl seiner Wichtigkeit am Eingang und versuchte sie aufzuhalten, als sie auf die Tür zustrebten. „Ich brauche eure Pässe“, sagte er.
Sie gaben keine Antwort, und sie blieben auch nicht stehen. Der Rausschmeißer hatte keine besondere Lust auf Scherereien und versuchte es noch einmal mit erhobener Stimme.
„Hey! Hier geht keiner rein, bevor ich nicht…“
Luke hatte keine Zeit für Drohungen. Er packte den Türsteher und zog ihn zu sich heran. Nun schien der junge Mann nicht mehr so tapfer zu sein wie zuvor. Luke spürte, wie er zitterte.
„Geht hinein“, knurrte Luke.
Die Vampire verloren keine Zeit. Zwei postierten sich am Haupteingang, die anderen verteilten sich auf die Nebenausgänge und im Raum. Darla stellte sich vor der Tür zum Bühneneingang auf. Ein anderer Vampir ging zur Bar, schwang sich über die Theke und blockierte den Ausgang dort. Während ein weiterer sich auf die Galerie begab, kletterte Luke auf die Bühne. Darla vergewisserte sich noch einmal, daß die Tür verschlossen war. Dann öffnete sie den Sicherungskasten an der Wand und legte den Schalter um. Prompt erloschen alle Scheinwerfer, und die Musik erstarb.
Während die Besucher des Bronze noch verwirrt um sich blickten, ertönte eine Stimme von der Bühne.
„Meine Damen und Herren“, verkündete Luke. „Es besteht kein Grund zur Panik.“
Ein einzelner Scheinwerfer verbreitete seinen Lichtkegel auf dem Podest. Der ungeteilten Aufmerksamkeit seines Publikums gewiß, trat Luke nun in den Lichtkreis und stellte sich vor die verunsicherten Jugendlichen. „Im Grunde besteht natürlich doch ein Grund zur Panik.“
Seine Lippen verzogen sich zur schauerlichen Karikatur eines Lächelns. „Aber das spielt keine Rolle.“
Er sah in die ungläubigen und erschrockenen Gesichter. Er spürte ihre Schwäche, ihre wachsende Panik wie Wellen, die durch seine Adern jagten, und labte sich daran – es diente allein dazu, ihn noch stärker zu machen. Ein zu Tode erschrockenes Pärchen versuchte zu fliehen. Luke grinste, als er sah, wie der Vampir vor der Tür freundlich den Kopf schüttelte. Sein Gesicht war ebenso scheußlich wie Lukes, und das Pärchen wich erschrocken vor ihm zurück.
Cordelia starrte auf die Bühne. Jesses Hände ruhten immer noch auf ihren Schultern.
„Ich dachte, heute abend spielt keine Band“, sagte sie verständnislos. Sie drehte sich um und schaute Jesse an – und schrak zurück, als sie die schreckliche Veränderung wahrnahm, das neue scheußliche Gesicht. Sie versuchte sich loszumachen, aber er hielt sie fest und zog sie in die Dunkelheit unter der Treppe.
„Dies ist eine glorreiche Nacht!“ rief Luke von der Bühne herunter. Seine hungrigen Augen schweiften über das Meer aus Gesichtern. „Und es ist die letzte, die ihr erleben werdet.“ Es folgte ein Moment der Spannung, des verständnislosen Schweigens.
Dann befahl Luke: „Bringt mir den ersten!“
Mit höhnischem Grinsen sah er zu, wie der Rausschmeißer auf die Bühne gebracht wurde.
„Was wollt ihr Typen bloß?“ fragte der junge Mann naiv. „Wollt ihr Geld? Mann, was ist denn mit euren Gesichtern passiert?“
Luke packte ihn am Genick und erstickte jede weitere Unterhaltung. „Seht her, Leute!“ schrie er. Und während er auf sein zappelndes Opfer deutete, fuhr er fort: „Seine Furcht ist mein Lebenselixier. Sie ist fast so gut wie Blut.“
Mit einem geübten Ruck biß Luke in den Hals des jungen Mannes und trank seinen Lebenssaft in gierigen, satten Schlucken.
Er spürte, wie ihn warmer roter Nebel einhüllte, wie sein Meister mit jedem Schluck stärker und stärker wurde, wie die Macht der Jahrhunderte durch die Adern des Meisters strömte und ihn wie ein göttliches Licht leuchten ließ…
Ein paar Augenblicke später warf er den Kopf zurück und schleuderte den Körper des jungen Mannes wie eine leere Blechbüchse zur Seite.
„Der nächste!“ brüllte er.

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 Betreff des Beitrags: Re: Buffy-Bücher: Die Sammlung
BeitragVerfasst: 27. Jul 2009, 16:55 
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23. Kapitel

Die Straße war wie leergefegt, als Buffy und ihre Begleiter endlich vor dem Bronze eintrafen. Buffy bemühte sich, den Haupteingang zu öffnen, aber die Tür gab keinen Millimeter nach.
„Sie ist verriegelt“, erklärte sie den anderen.
Giles sah fast so aus, als müßte er sich übergeben. „Wir sind zu spät gekommen.“
„Ich konnte schließlich nicht wissen, daß ich Hausarrest kriegen würde!“ schrie Buffy.
„Kannst du sie aufbrechen?“ wollte Xander wissen, aber Buffy schüttelte nur den Kopf.
„So eine Tür bestimmt nicht. Versucht ihr es an einem der hinteren Eingänge. Ich werde schon einen anderen Weg finden, um reinzukommen.“
„Na schön.“ Giles blickte von Xander zu Willow. „Gehen wir.“
„Hey, Leute!“ rief Buffy hinter ihnen her. Sie blieben stehen. Buffy reichte ihnen die Tasche. „Ihr macht den Ausgang frei und verhelft den Leuten zur Flucht“, erteilte sie ihre Anweisungen. „Das ist alles. Versucht nicht, die Helden zu spielen.“
„Wir sehen dich dann drinnen“, versprach Giles. Während sie um die Ecke des Gebäudes bogen, rannte Buffy in die entgegengesetzte Richtung. Ihre Miene war grimmig, während sie prüfend das Dach des Hauses betrachtete. Giles und die anderen brauchten nur eine Minute, um den nächsten Ausgang zu erreichen. Xander versuchte die Tür zu öffnen, aber auch sie war zugesperrt. Verzweifelt sahen sie sich nach einem Gegenstand um, mit dem sie die Tür aufbrechen
konnten.
„Verdammt!“ stieß Xander aus. „Wir müssen unbedingt da rein, bevor Jesse noch mehr Blödsinn anstellt!“
„Xander“, mahnte Giles. „Jesse ist tot. Daran mußt du denken, wenn du ihn siehst.“ In sanfterem Ton fuhr er fort: „Er ist nicht mehr dein Freund, sondern das Ding, das ihn getötet hat.“

Der Meister hatte mehr Macht gewonnen. Sein ganzes Wesen schien vor Energie zu leuchten. Er besaß unerschütterliche Kraft, ewiges Leben.
Wieder einmal trat er zu der mystischen Wand, die ihn einschloß. Und wieder einmal legte er die Hände darauf und übte Druck auf sie aus.
Langsam, ganz langsam wurde sie brüchig. Es reichte noch nicht, doch bald schon würde sich das geändert haben. Bald schon würde er noch stärker sein, stark genug, um sich zu befreien. „Fast frei“, murmelte er. Er schloß die Augen, und seine Stimme hallte durch die verfallene Kirche. „Ja! Gib mir mehr!“
Luke gehorchte. Im Taumel der Macht ließ er den nächsten Körper fallen und blickte seine Geiseln an.
Sie waren nun wirklich vor Angst wie gelähmt. Nachdem zwei Leichen zu seinen Füßen lagen, war ihnen die Wirklichkeit und die absolute Hoffnungslosigkeit ihres Schicksals bewußt geworden. Luke genoß die Schreie und die mitleiderregenden Schluchzer, die aus der Menge zu ihm auf die Bühne drangen.
In einem Winkel unter der Treppe stand Darla Jesse gegenüber. Er hielt immer noch Cordelias Hand, und er war nicht gewillt, sie aufzugeben.
„Die hier gehört mir!“ wagte er Darla ins Gesicht zu sagen. Darla hatte keine Zeit für seine Spielchen. „Sie sind alle für den Meister“, erklärte sie ihm, entwand die fassungslose Cordelia seinem Griff und schleppte sie zur Bühne. Jesse klang enttäuscht. „Und ich kriege keine ab?“
Niemand sah es, als das Fenster am oberen Ende der Treppe geöffnet wurde – das Fenster hinter der Galerie, auf der ein Vampir Wache stand, aber seinen Posten nicht gewissenhaft versah. Offenbar rechnete er mit keiner Gefahr, denn er hatte dem Fenster den Rücken zugekehrt. Keiner bemerkte Buffy, und keiner hinderte sie an ihrem Eindringen.
„Ich fühle, wie er sich erhebt!“ rief Luke. „Ich brauche noch einen!“
Buffy starrte auf den dreizackigen Stern, den er auf der Stirn trug.
„Das Gefäß“, flüsterte sie.
Doch dieses Mal hörte sie der pflichtvergessene Vampir. Er drehte sich um und packte sie mit festem Griff. Buffy hatte noch nicht einmal Zeit zu erschrecken.
Das war’s, dachte sie, das nächste Opfer werde ich sein.
„Heute nacht ist seine Auferstehung“, teilte Luke den entsetzten Zuschauern mit. „Heute nacht wird eure Geschichte enden und unsere neu beginnen! Ihr seid ein glorreiches Opfer! Ihr genießt die heiligste Erniedrigung, die es für euresgleichen gibt.“ Er hielt inne und ließ seinen teuflischen Blick von einem Gesicht zum nächsten wandern.
„Wie, keine Freiwilligen?“ spottete er.
„Hier ist eine besonders Hübsche“, rief Darla Luke zu.
„Neeein!“ Cordelia wehrte sich, doch ohne Erfolg. Sie begann zu weinen, doch Darlas Herz konnte man nicht erweichen. Sie schleppte Cordelia zur Bühne und überließ sie Luke. Das Geschehen an der Bühne hatte Buffys Angreifer für eine Sekunde abgelenkt. Mit einer blitzschnellen Bewegung entschlüpfte sie seinem Griff und versetzte ihm einen Stoß, der ihn über das Geländer der Galerie stürzen ließ. Er landete auf dem Rücken genau vor der Bühne. Schlagartig wurde es still im Raum.
„Oh, das tut mir aber leid“, meinte Buffy. „Hab ich euch bei irgendwas gestört?“
Luke blickte auf, und sein Gesicht verzerrte sich vor Wut. „Du!“
„Du hast doch wohl nicht geglaubt, daß ich die Party verpassen wollte?“ entgegnete Buffy.
Die Wut wich aus Lukes Zügen. Seine Lippen schürzten sich zu einem gefährlichen Lächeln.
„Ich hatte gehofft, daß du kommst“, sagte er.

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 Betreff des Beitrags: Re: Buffy-Bücher: Die Sammlung
BeitragVerfasst: 27. Jul 2009, 17:05 
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24. Kapitel

Endlich war die Tür offen. Mit einem Metallrohr in den erhobenen Händen stürmte Giles durch die Tür des Bühneneingangs. Willow und Xander
folgten ihm dicht auf den Fersen.
„Kommt schon!“ schrie Xander und lenkte die Aufmerksamkeit der Menge auf sich. In wilder Panik stürzten die Menschen auf die geöffnete Tür zu. So schnell es ging, geleitete Xander die Leute durch die Tür. Gemeinsam mit Willow und Giles achtete er darauf, daß niemand stürzte und von den anderen überrannt wurde.
Im gleichen Moment griff ein weiterer Vampir Buffy von der Seite an. Doch sie wehrte ihn mit Leichtigkeit ab und schleuderte ihn zu seinem Kollegen vor die Bühne, wo er wieder auf die Beine zu kommen suchte. Auch Buffy machte sich nun auf den kürzesten Weg nach unten und landete auf einem Billardtisch.
Sie ergriff das Queue, das der letzte Spieler auf dem grünen Stoff des Tisches liegengelassen hatte, und stellte sich in Position.
Ohne den Vampir, der sich ihr von der Seite näherte, auch nur anzusehen, rammte sie ihm die Pomeranze mitten ins Herz. Als Buffy das Queue losließ, blieb es stecken. „Okay, du blödes Gefäß.“ Sie starrte Luke an, und in ihren Augen loderte die Herausforderung. „Du willst Blut?“
Sie trat vor, und im gleichen Augenblick hob sich das Queue gen Himmel. Es ähnelte auf merkwürdige Weise einem Schlagbaum – doch dann stürzte die gepfählte Leiche des Vampirs mit einem dumpfen Knall zu Boden.
„Ich will dein Blut!“ fauchte Luke.
„Dann komm doch und hol’s dir.“
Cordelia erkannte ihre Chance und versuchte sich aus Lukes Griff zu befreien. Brutal schleuderte er sie zur Seite. Diesen Moment nutzte Buffy für ihren Angriff: Sie schlug dem Vampir ihre Faust ins Gesicht. Über die Kräfte der Jägerin entsetzt, taumelte Luke blind vor Schmerz zurück. Doch er hatte sich schnell wieder in seiner Gewalt. Buffy duckte sich, um seinen Angriff abzuwehren, während sie den Pfahl aus ihrem Ärmel schüttelte, und versuchte ihn auf sein Ziel zu richten. Doch sie war nicht schnell genug. Lukes Gegenschlag beförderte Buffy in eine Ecke. Der Pfahl blieb unbenutzt zu seinen Füßen liegen. Grinsend stolzierte er
auf Buffy zu. Als er nah genug herangekommen war, trat sie ihm mit beiden Füßen vor die Brust. Benommen bemühte sich Luke, das Gleichgewicht zu halten. Das war Buffys Chance, ihn endgültig fertigzumachen. Doch da sah sie Xander. Er war so eifrig damit beschäftigt, die Leute herauszubringen, daß er den Vampir in seinem Rücken nicht bemerkte. Buffy drehte sich zu dem Schlagzeug um, das auf der Bühne stand, kickte das Becken mit einem gezielten Tritt von seinem
Ständer und fing es im Flug auf. Der Vampir hatte Xander mittlerweile erreicht; sie konnte den angstvollen Blick ihres Freundes erkennen, als die Kreatur ihn von hinten packte. Buffy schleuderte das Becken wie ein Frisbee. Die drohende Gefahr spürend, fuhr der Vampir herum, und seine Augen weiteten sich, als das Becken in seinen Hals fuhr. Xander duckte sich instinktiv, als er das schneidende Geräusch hörte. Seine Augen folgten der Flugbahn des abgehackten Kopfes, der durch den Raum segelte.
„Kopf hoch“, murmelte Xander.
Buffy hatte kaum Zeit, sich umzudrehen, als Luke sie auch schon von hinten angriff. Seine Arme umschlossen ihren Körper, und mit zermalmendem Druck hob er sie in die Höhe. Xander wollte zu Buffy laufen, aber ein schriller Schrei ließ ihn wie angewurzelt stehenbleiben. Er wirbelte herum und sah Jesse, der Cordelia zurück in die Dunkelheit unter der Treppe zerrte. Während Cordelia kreischte und sich wehrte, warf Jesse sie zu Boden, kniete auf ihr und drückte sie mit seinem Gewicht nieder.
„Halt still!“ befahl er ihr. „Du bist keine große Hilfe!“
Xander schlich sich von hinten an. Er blickte auf die beiden herunter, den Pfahl in seinen Händen fest umklammert.
„Bitte, Jesse“, flehte Xander, „mach, daß ich es nicht tun muß.“
Jesse blickte auf. Sein Grinsen war nicht mehr menschlich zu nennen. Er sah aus wie ein Wesen aus einem Alptraum. „Kumpel“, sagte er.
Buffy wehrte sich vergeblich. Sie spürte, wie Luke fester und fester zudrückte – wie sich alles um sie herum drehte, bis ihr schwarz vor Augen wurde. Sie hustete und würgte, rang verzweifelt nach Luft. Wie aus weiter Ferne drang Lukes Lachen in ihr schwindendes Bewußtsein.
„Ich wollte schon immer mal einen Jäger killen“, gestand er. Es klang stolz und irgendwie belustigt.
Und dann hörte Buffy noch etwas anderes. Tief in ihr schien etwas zu zerbrechen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Buffy-Bücher: Die Sammlung
BeitragVerfasst: 27. Jul 2009, 17:18 
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25. Kapitel

Die Panik hatte nun ihren Höhepunkt erreicht. Durch die Hintertür strömten immer noch mehr Leute hinaus auf die Straße. Giles bahnte sich einen Weg durch die Menge und rief Willow zu: „Komm mit! Wir müssen auch die Vordertür aufbrechen!“
Gegen einen Strom hysterischer Menschen suchte er sich seinen Weg zur Tür und versuchte, die Eingangshalle zu erreichen.
Wie aus dem Nichts erschien Darla und stellte sich Giles mit einem teuflischen Grinsen auf dem Dämonenantlitz in den Weg…
Währenddessen wich Xander einen Schritt zurück, als Jesse sich erhob und ihn ansah. „Jesse, ich weiß, daß ein Teil von dir immer noch lebendig ist“, beharrte er.
Jesse sah genervt aus. „Okay, dann laß uns mal Klartext reden. Dein Jesse war ein gräßlicher Verlierer, der kein Mädchen im Umkreis von Meilen abgekriegt hat! Und schau mich jetzt an! Ich bin ein neuer Mann!“
Um seine Worte zu unterstützen, packte er Xander und schleuderte ihn gegen die Wand. Xander prallte auf, rutschte an der Wand herunter und landete als elendes Häufchen neben Cordelia.
„Siehst du?“ Jesse stieß einen ungeduldigen Seufzer aus.
„Der alte Jesse hätte versucht, vernünftig mit dir zu reden.“
Giles war Darla nicht gewachsen. Während Willow verzweifelt in Buffys Tasche nach einer geeigneten Waffe suchte, verteidigte Giles sein Leben, wobei ihm die ganze Zeit bewußt war, daß er verlieren würde. Darla hielt ihn zu Boden gedrückt, und als er zu ihr hochsah, senkten sich ihre Zähne schon bedrohlich auf seinen Hals herab. „Laß ihn los!“ schrie Willow.
Darla fuhr herum und schloß im Reflex die Augen, als ihr Tropfen ins Gesicht spritzen. Es war schon zu spät, als sie erkannte, daß sie mit Weihwasser benetzt worden war. Schreiend preßte sie ihre Hände auf die Wangen. Zwischen den Fingern stieg Rauch auf.
Giles stieß sie von sich und kam taumelnd auf die Beine, bereit zum Angriff. Doch Darla stolperte bereits zum Ausgang hinaus, das Gesicht wie mit Säure verätzt.
Unter Lukes erbarmungslosem Griff wurde Buffys Körper immer schlaffer. Ihr Kopf pendelte nach vorn wie der einer Lumpenpuppe. Grinsend blickte Luke auf sie herab. Ein Hochgefühl durchströmte ihn, und er sprach sein demütiges Gebet.
„Meister, nimm dieses Blut und sei befreit.“
Seine Lippen zogen sich zurück. Er öffnete den Mund. Dann senkte er den Kopf, bereit zum tödlichen Biß.
Er merkte nicht einmal, wie ihm geschah, als Buffy ihren Hinterkopf gegen sein Kinn rammte und der unerwartete Schlag ihn zu Boden warf.
„Wie hat dir das geschmeckt?“ fragte sie trotzig.
Ihre Tapferkeit war nur gespielt; sie hatte alle Mühe, nicht die Balance zu verlieren. Doch sie schaffte es, den Ständer des Beckens zu greifen und ihn wie eine Waffe vor sich zu halten. Gleichzeitig schätzte sie die Möglichkeiten der Bühne ab, um einen neuen Angriff zu planen.
Da sah sie das Fenster hinter der Bühne. Sie hatte es vorher nicht wahrgenommen, weil die Scheibe mit schwarzer Farbe überzogen war. Buffy blickte auf das Fenster. Dann sah sie Luke an.
Jesse hob Xander vom Boden auf und drückte ihn gegen die Wand. Er hatte keine Zeit für all diese Unterbrechungen, und alte Erinnerungen bedeuteten ihm nichts mehr. Er funkelte seine leichte Beute an, die einst ein Freund gewesen war, und kalte Wut zeichnete Furchen in sein Gesicht.
„Ich hab es satt, daß du mir andauernd in die Quere kommst, weißt du das?“ beschimpfte er Xander. „Was Cordelia angeht, so wird sie ewig leben. Du aber nicht.“
Xander nahm all seinen Mut zusammen und hob den Pfahl gegen Jesses Brust. Er sah entschlossen aus, aber Jesse erkannte, daß er auch große Angst hatte.
Er konnte nicht umhin, Xander aufzustacheln. „Oh, richtig so! Erlöse mich aus meinem Elend! Du hast ja nicht den M…“
Das Wort blieb ihm im Halse stecken. Er spürte den heißen, schnellen Stich und starrte ungläubig auf seine Brust.
Ein Mädchen hatte ihn von hinten angerempelt. Bei ihrem Fluchtversuch hatte sie ihn nach vorn gestoßen, genau in den Spieß hinein.
Jesse starrte Xander entsetzt und verblüfft an. Er keuchte. Sterbend klammerte er sich an seinen alten Freund. Erstarrt sah Xander zu, wie das, was einst Jesse gewesen war, sich in ein Häuflein Staub verwandelte.
Buffy hielt den Metallstab, auf dem das Becken gesteckt hatte, wie einen Speer vor sich. Doch Luke wich ihren Schlägen mit Leichtigkeit aus und lächelte dazu maliziös. Er kam immer näher.
„Du hast vergessen, daß Metall mir nichts anhaben kann“, höhnte er.
Buffy zuckte nicht einmal mit der Wimper. „Und du hast was anderes vergessen.“
Sie sah, wie er für den Bruchteil einer Sekunde zögerte – wie ein Schatten des Zweifels über sein Gesicht huschte.
„Sonnenlicht“, klärte sie ihn auf.
Sie schleuderte den Ständer durch das schwarze Fenster auf der Rückseite der Bühne. Glassplitter flogen in alle Richtungen. Als das warme Licht ihn umhüllte, schrie Luke auf und hob die Hände, um es abzuwehren. Er sah völlig entgeistert aus. Buffy rammte ihm den Pfahl in den Rücken.
Er taumelte nach vorn. Sein mächtiger Körper wand sich in unsäglichem Schmerz.
„Sonnenaufgang ist erst in neun Stunden, du Schwachkopf“, erinnerte ihn Buffy.
Und da erst wurde Luke bewußt, daß das Licht aus dem Fenster gar kein Sonnenlicht gewesen war, sondern nur der wärmende Schein einer Straßenlaterne, die die tiefe, sichere Dunkelheit vor dem Bühneneingang durchdrang.
Mit einem erstaunten Röcheln taumelte er nach vorn. Er fühlte, wie sein Leben herausrann und mit ihm das Leben seines Meisters. Es war, als seien sie eins. Und als Luke über die Bühne taumelte, stolperte auch der Meister durch seine Höhle, und seine leuchtende, kraftvolle Energie strömte aus ihm heraus.
Luke empfand die Leiden und Qualen des Meisters wie seine eigenen. Er streckte die Hand aus und stolperte, so wie Luke jetzt fiel und sich bald auflösen würde. Sie fielen auf die Knie und streckten hilflos die Arme aus, auf der Suche nach Hilfe, die nicht kam.
Der Meister berührte die mystische Wand, die ihn gefangenhielt. Sie hatte ihre Stabilität wiedergewonnen und ließ ihm kein Entkommen. Wut und Verzweiflung spiegelten sich in seinem Gesicht, als er an ihr emporblickte. Ein Schrei der Niederlage entrang sich seiner Kehle…

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 Betreff des Beitrags: Re: Buffy-Bücher: Die Sammlung
BeitragVerfasst: 27. Jul 2009, 17:25 
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26. Kapitel

Auf der Bühne stand Buffy und starrte auf den Fleck, wo gerade noch Lukes Körper gelegen hatte.
Xander rappelte sich eben wieder auf, als Giles und Willow aus der Eingangshalle zurückkamen. Alle vier trafen sich in der Mitte der Tanzfläche.
Giles blickte sich um. „Tatsächlich, es ist vorbei.“ Seine Stimme klang erleichtert.
„Haben wir gewonnen?“ Willow hatte fast nicht zu fragen gewagt. Sie blickte auf das Schlachtfeld, das sie umgab. Die meisten der Clubbesucher waren inzwischen geflüchtet, aber ein paar saßen immer noch reglos da, unfähig, sich zu rühren.
„Tja, wir haben ihnen die Ernte vermasselt“, sagte Buffy müde. Sie blickte sich noch einmal um und entdeckte Cordelia, die immer noch wie betäubt an der Stelle lag, wo sie zuvor mit Jesse gekämpft hatte. Und einmal in ihrem Leben hielt Cordelia den Mund.
„Eins ist sicher“, seufzte Xander. „Nun wird nichts mehr so sein, wie es war.“
Auf der Straße vor dem Bronze rannten Vampire in Panik davon.
Hinter ihnen trat Angel leise aus der Dunkelheit und blickte ihnen nach. Dann drehte er sich um und starrte auf den Eingang der Diskothek. „Sie hat’s wirklich getan“, murmelte er. „Donnerwetter!“

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 Betreff des Beitrags: Re: Buffy-Bücher: Die Sammlung
BeitragVerfasst: 27. Jul 2009, 17:34 
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27. Kapitel

Xanders Voraussage erfüllte sich nicht: Am nächsten Tag ging die Sonne auf wie immer. Und alles sah erstaunlich normal aus.
Die warme Sonne Kaliforniens beschien die Sunnydale High School, und im Hof mit dem Springbrunnen verlief die Pause wie an jedem anderen Tag. Lachende und schwatzende Schüler liefen durcheinander, und Cordelia hielt hof.
„Soviel ich gehört habe, waren es rivalisierende Gangs, die um ihren Bezirk gekämpft haben“, sagte sie mit dramatischer Betonung. Sie warf einen Blick in die Runde auf all die eifrigen Gesichter, und ihre Bewunderer sogen jedes ihrer Worte begierig auf. „Auf jeden Fall kannte Buffy diese Typen wohl gut, was ja ziemlich bemerkenswert ist. Ich kann mich nicht mehr so genau an alles erinnern, aber ich sag euch, es war echt ‘ne Horrorshow.“
„Oh, was hätte ich dafür gegeben dabeizusein“, seufzte ein Mädchen, das ohnehin nur zu gern in Cordelias Haut geschlüpft wäre.
Auf dem Weg von einer Ecke des Schulhofs zur anderen konnten Buffy und ihre Freunde ein paar Worte von Cordelias Geschwafel mithören. Während Buffy ein Grinsen unterdrückte, drehte sich Xander genervt zu ihr um.
„Was genau hattest du denn erwartet?“ schalt Buffy ihn, während Xander empört die Achseln zuckte.
„Ich weiß es nicht! Irgend etwas. Die Toten sind auferstanden! Wir hätten wenigstens ‘ne Versammlung abhalten sollen.“
„Die Menschen neigen dazu, für alles rationale Erklärungen zu suchen“, erklärte Giles, der sich vor dem Gebäude zu ihnen gesellte, „und alles andere zu vergessen.“
Buffy nickte heftig. „Glaub mir, ich hab’s gesehen.“
„Also, ich werde das niemals vergessen“, sagte Willow mit Nachdruck und schauderte innerlich. „Niemals.“
Giles wirkte erfreut. „Gut. Dann bist du ja nächstes Mal vorbereitet.“
„Nächstes Mal?“ Xander klang mißtrauisch, und Willow fragte: „Warum nächstes Mal?“
Giles schenkte ihnen ein nachsichtiges Lächeln. „Wir haben den Meister vielleicht daran gehindert, sich zu befreien und den Höllenschlund zu öffnen. Aber das heißt nicht, daß er es nicht von neuem versuchen wird. Ich würde sagen, der Spaß fängt gerade erst an.“
„Noch mehr Vampire?“ krächzte Willow.
„Es müssen nicht unbedingt Vampire sein.“ Giles blieb stehen und blickte ihnen ins Gesicht. „Die nächste Kreatur, mit der wir es zu tun bekommen, kann ganz anders aussehen.“
Buffy verdrehte die Augen. „Ich kann’s kaum erwarten,“
„Wir befinden uns hier im Zentrum eines Zusammenflusses verschiedener mystischer Strömungen“, fuhr Giles fort.
Xander schüttelte den Kopf. „Buffy, das hört sich aber gar nicht gut an.“
„Also, ich schau immer auf die Sonnenseite“, erklärte Buffy gutgelaunt. „Vielleicht fliege ich ja doch noch von der Schule.“
Sie grinste Giles an, drehte sich um und ging davon. Xander und Willow beeilten sich, sie einzuholen.
„Das ist ein verdammt guter Plan“, stimmte Xander zu. „Es gibt bestimmt ‘ne Menge Schulen, die nicht über Höllenschlunden liegen.“
„Vielleicht kannst du ja was in die Luft jagen“, schlug Willow vor. „Da werden sie echt streng.“
Buffy erwog den Vorschlag mit einem Achselzucken. „Ich würde eher den lautlosen Versuch vorziehen. Zum Beispiel andauerndes Schwänzen.“
Giles schüttelte den Kopf, als er ihnen nachsah. Er hob eine Braue und schob seine Brille auf der Nase höher.
„Die Erde ist verdammt“, seufzte er.
ENDE

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